Corona-Krise: Wie ich die Entschleunigung genieße

Corona-Krise als Chance: Wie ich die Entschleunigung genieße

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Schon lange sehnte ich mich nach einem Leben ohne Stress und Eile! Dank der Corona-Krise genieße ich die Entschleunigung des Alltags – zumindest vorerst.

Corona-Krise: Ich genieße die Entschleunigung

Als sich das Corona-Virus in Europa ausbreitete, geriet ich in Panik: Ich arbeite seit exakt 10 Jahren (in diesem Monat feiere ich mein 10-jähriges Jubiläum!) selbständig als Onlinemarketing-Berater für Reiseveranstalter, Hotels und Ferienhaus-Betreiber. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt nicht mit diesem Reiseblog. Ich benutze es nur als Hobby und Spielplatz für SEO-Experimente. Als die ersten Grenzen geschlossen wurden, war mir klar, dass sich die Coronakrise massiv auf mein Geschäft auswirken würde. Und so verging nicht ein Tag, an dem nicht ein oder sogar mehrere Kunden anriefen, und um eine Aussetzung der Verträge oder zumindest eine deutliche Reduzierung des Budgets baten. Innerhalb weniger Tage schrumpfte mein sehr gut gefülltes Auftragsbuch um weit über 50%. Und schon nach kurzer Zeit meldete der erste Kunde Insolvenz an.

10 Jahre lang war ich als Freiberufler erfolgreicher, als ich es mir jemals hätte ausmalen können. Wichtiger als der finanzielle Erfolg war mir jedoch meine Freiheit: Als Selbständiger kann ich nicht nur berufliche Entscheidungen alleine treffen, sondern mir auch die Zeit frei einteilen. Dies ist für mich der größte Luxus! Nun war die Angst, sich beim Arbeitsamt melden oder – noch schlimmer – Bewerbungen für Festanstellungen schreiben zu müssen, wieder zum Greifen nah.

Im Laufe des ersten Monats der Corona-Krise kristallierte sich dann glücklicherweise heraus, dass sich die wirtschaftliche Situation doch nicht so dramatisch entwickelte, wie befürchtet – zumindest vorerst. Mit den verbliebenen Kunden verdiente ich immer noch genug Geld zum Leben. Und so langsam wich die Corona-Angst einem neuen, fast vergessenen Gefühl.

Chance: Gesundheit & Entspannung durch Corona-Virus

Dass sich mein Kundenstamm innerhalb weniger Tage mehr als halbiert hatte, machte sich schnell im Tagesgeschäft bemerkbar: Das morgendliche E-Mail-Aufkommen schrumpfte deutlich. Das Telefon klingelte fast überhaupt nicht mehr. Doch so konnte ich die anstehenden Arbeiten in aller Ruhe erledigen.

Auch in meinem privaten Alltag stelle ich durch die Corona-Situation schnell Veränderungen fest – und zwar nur positive. Die wichtigste: Ich schlafe plötzlich wieder besser! In den vergangenen Jahren konnte ich abends nur noch mit Tabletten einschlafen. Nachts wachte ich mehrmals auf und musste auf die Toilette. Ich war deswegen bei mehreren Ärzten, doch keiner konnte mir helfen. Sie alle sahen Stress als Ursache für meine Beschwerden – was mich nicht überraschte.

Seit der Corona-Krise schlafe ich plötzlich wieder durch und träume sogar intensiv! Zudem war ich zu Beginn der Coronapandemie in Deutschland richtig krank: Zum dritten Mal innerhalb von 12 Monaten litt ich an einem verschleppten Infekt und schrecklichem Husten. Aufgrund der vielen Arbeit hatte ich mich stets auch im kranken Zustand an den Schreibtisch gesetzt. Durch Corona hatte ich nun endlich Zeit, mich richtig auszukurieren und blieb eine komplette Woche im Bett!

Da ich ohnehin seit 10 Jahren im Home Office arbeite, bekam ich von den Kontakteinschränkungen kaum etwas mit. Schon als ich ein Kind war, sagte mein Vater zu Freunden:

Stubenarrest bringt bei dem Jungen nichts. Wir müssen ihn zur Strafe nach draußen schicken!

Und so genoss ich beim Autofahren die fast leeren Straßen und in der Mittagspause die menschenleere Fußgängerzone. Während sich sonst die Gedanken in meinem Kopf wie ein Karussel drehten, kann ich mich plötzlich wieder auf das Wesentliche fokussieren. Auch meine Existenzängste, die mich auch in erfolgreichen Zeiten plagten, haben sich paradoxerweise seit der Krise in Luft aufgelöst. Ich erkenne wieder, dass Geld nicht das Wichtigste ist und freue mich über die kleinen Dinge im Leben.

Bevor ich mich selbständig machte, hörte ich den ganzen Tag Musik. Ich produzierte sogar eigene Techno- und Housetracks und betrieb ein eigenes Netlabel. Für all dies war in den 10 Jahren Selbständigkeit keine Zeit mehr. Seit Corona entdecke ich wieder jede Menge neuer Musik. Und ich habe sogar Musiksoftware auf meinem PC installiert und beginne langsam wieder damit, selbst zu musizieren.

Wie geht es nach der Coronakrise beruflich weiter?

Im vergangenen Monat hatte ich noch genug Arbeit. Doch während ich sonst von 8-18 Uhr im Heimbüro saß und schon am Monatsanfang nicht wusste, wie ich bis zum Monatsende die Aufträge abarbeiten sollte, lasse ich es nun deutlich ruhiger angehen.

Seit Corona stehe ich erst gegen 8 Uhr auf. Wenn mein Mann aus dem Haus ist (er arbeitet nach wie vor Vollzeit), mache ich eine Stunde Sport mit dem Nintendo Ring Fit Adventure. Danach dusche ich und erst gegen 10 Uhr setze ich mich an den Schreibtisch und schalte den Rechner ein. Vor dem Corona-Virus war ich oft den halben Vormittag mit dem Beantworten von E-Mails beschäftigt. Nun finde ich fast jeden Morgen nur ein oder zwei E-Mails in meinem Postfach. Da sich mein Arbeitsvolumen deutlich verringert hat, mache ich nun manchmal schon um 14 Uhr Feierabend. Oder ich fahre bei schönem Wetter schon gegen Mittag an einen nahegelegenen See und genieße bei einem Spaziergang die Sonne und die Natur. Allesamt Dinge, die noch vor wenigen Wochen undenkbar waren.

Wie es beruflich weiter geht, weiß ich noch immer nicht. Erst vor wenigen Tagen wurde die weltweite Reisewarnung bis mindestens 14. Juni verlängert. Die meisten meiner Kunden sind Reiseveranstalter und Hotels. Ich glaube nicht, dass viele der verbliebenen Kunden eine noch längere Auszeit überstehen werden. Daher rechne ich damit, in den kommenden Tagen oder Wochen noch weitere Kunden zu verlieren.

Doch selbst dieser Gedanke versetzt mich nicht mehr so in Panik, wie zu Beginn der Coronakrise. Durch die erfolgreichen Geschäftsjahre der Vergangenheit konnte ich Rücklagen bilden, die im schlimmsten Fall auch für einige Zeit ganz ohne Arbeit ausreichen würden. Viel wichtiger sind mir (zumindest derzeit) die positiven Auswirkungen des Lockdowns auf meine Psyche und die körperliche Gesundheit. Wie viele Reiseblogger habe ich schon oft mit dem Gedanken gespielt, mir eine längere Auszeit zu gönnen. Jedoch hätte ich niemals den Mut gehabt, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Vielleicht nutze ich nun diese Gelegenheit, die sich durch das Coronavirus ergeben hat.

Undz guter Letzt nutze ich die gewonnen Zeit, um mich auf meine eigene Firma zu konzentrieren: Während ich im Tagesschäft beinahe ausschließlich für meine Kunden gearbeitet habe, hatte ich kaum Gelegenheit, mich um mein eigenen Unternehmen zu kümmern. So werde ich die kommenden Monate nutzen, um neue Zielgruppen zu erschließen, frische Ideen und Konzepte zu entwickeln und die Corona-Krise als Chance zu begreifen!

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