In welchen arabischen Ländern ist Homosexualität legal?

Viele schwule Reisende fragen sich, in welchem arabischen Land Homosexualität legal ist. Die nüchterne Antwort lautet: In der arabischen Welt gibt es nur wenige Länder, in denen einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen nicht unter Strafe stehen. Am häufigsten werden Jordanien und Bahrain genannt.

Jordanien und Bahrain zählen zu den wenigen arabischen Ländern, in denen Homosexulität legal ist – zumindest auf dem Papier. Doch das bedeutet nicht, dass schwules Leben gesellschaftlich akzeptiert oder gar öffentlich sichtbar ist.

Wer als schwuler Mann in ein arabisches Land reist, sollte deshalb nicht nur auf die Gesetzeslage schauen, sondern auch auf den Alltag vor Ort. Zwischen formaler Legalität und echter Freiheit liegt oft ein deutlicher Unterschied.

Jordanien: Rechtlich am klarsten

Jordanien ist eines der wenigen Länder im Nahen Osten, in denen einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen erlaubt sind. Grund dafür ist der jordanische Strafkodex von 1951, der entsprechende Strafvorschriften nicht enthält.

Gesellschaftlich ist das Land jedoch konservativ. Öffentliche Zuneigung zwischen Männern kann Aufmerksamkeit erregen, obwohl privater sexueller Kontakt nicht verboten ist.

Die jordanische Hauptstadt Amman wird oft als vergleichsweise liberal wahrgenommen. Schwule Reisende kommen jedoch selten wegen der Gay-Szene nach Jordanien, sondern wegen weltbekannter Sehenswürdigkeiten wie u.a. Petra, Wadi Rum oder dem Toten Meer.

Auch Bahrain wird häufig als eines der arabischen Länder genannt, in denen gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Erwachsenen nicht ausdrücklich strafbar sind. Homosexuelle Handlungen sind in Bahrain seit 1976 legal. Allerdings gilt Homosexualität in der Gesellschaft als unmoralisch und es gab dokumentierte Fälle von Festnahmen.

Ein schwuler Tourist sollte deshalb nicht allein auf die formale Rechtslage schauen. Bahrain ist zwar moderner und internationaler als manche Nachbarstaaten am Golf, aber kein Ort, an dem queeres Leben öffentlich sichtbar und rechtlich geschützt wäre.

Ägypten: nicht ausdrücklich verboten

Gay-Urlaub Ägypten: Schwules Paar am Strand
Gay-Urlaub Ägypten: Schwules Paar am Strand

Ägypten ist ein Sonderfall. Es gibt kein Gesetz, das gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen ausdrücklich verbietet. Gleichzeitig wird das Gesetz zur Bekämpfung von Prostitution aus dem Jahr 1961 selektiv gegen queere Menschen eingesetzt.

Für schwule Reisende ist die praktische Lage deutlich riskanter, als ein oberflächlicher Blick ins Strafgesetz vermuten lässt. Auch Reiseanbieter und Sicherheitshinweise raten zu großer Diskretion, da Menschen aufgrund von Moralgesetzen verfolgt werden können.

Trotzdem reisen jedes Jahr viele homosexuelle Touristen nach Ägypten. Auch wir haben schon einen schönen Urlaub in Hurghada verbracht und uns dort sicher gefühlt.

Libanon: liberaler Ruf, komplizierte Rechtslage

Der Libanon galt lange als eines der liberaleren Länder der arabischen Welt für queeres Leben, vor allem in Beirut. Rechtlich ist die Lage aber kompliziert. So stellt Artikel 534 des Strafgesetzbuchs Geschlechtsverkehr „gegen die Natur“ unter Strafe. Zwar gab es mehrere Gerichtsurteile, die einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht als illegal einstuften, doch Amnesty International verweist darauf, dass Artikel 534 weiterhin existiert und der politische Druck gegen queere Menschen zugenommen hat.

Der Human Dignity Trust berichtete 2018 über eine wichtige Gerichtsentscheidung im Libanon, nach der einvernehmliche gleichgeschlechtliche Intimität nicht als Verbrechen gelten könne. ILGA World stuft den Libanon dennoch auch 2026 weiterhin als Land ein, in dem einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen kriminalisiert werden.

Der Libanon ist kulturell nicht mit Saudi-Arabien oder Katar vergleichbar, rechtlich bleibt er aber kein eindeutig sicheres Land.

Dschibuti: keine bekannten Verbote, aber wenig Schutz

Dschibuti ist Mitglied der Arabischen Liga und wird in der Debatte oft vergessen. Die geltenden Gesetze in Dschibuti regulieren oder beschränken sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder Ausdruck der Geschlechtlichkeit nicht.

Das klingt auf dem Papier vergleichsweise entspannt. Dennoch sollte man daraus nicht ableiten, dass Dschibuti ein besonders schwulenfreundliches Reiseland ist. Die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Homosexuellen ist gering und es gibt kaum Schutzrechte.

In vielen arabischen Ländern sind gleichgeschlechtliche Handlungen strafbar und werden über religiöse, moralische oder ordnungspolitische Vorschriften verfolgt. Dazu gehören unter anderem Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Kuwait, Jemen, Libyen, Algerien, Marokko, Tunesien, Mauretanien, Somalia, Sudan und die Komoren. Seit 2024 gilt dies auch für den Irak.

Dennoch sind vor allem die V.A.E. bei homosexuellen Touristen aus aller Welt ein beliebtes Reiseziel. Auch wir haben schon mehrmals Urlaub in Dubai und Abu Dhabi verbracht. Aus unserer Sicht sind die beiden Emirate für schwule Touristen sicher, solange man sich in der Öffentlichkeit diskret verhält.

Dubai Homosexualität

Welche Länder gehören zu Arabien?

Als arabische Länder werden Staaten bezeichnet, in denen Arabisch eine wichtige Amtssprache ist und die politisch, kulturell oder historisch zur arabischen Welt gezählt werden.

Meist sind damit die 22 Mitgliedstaaten der Arabischen Liga gemeint:

  • Nordafrika: Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien, Marokko, Mauretanien, Sudan, Somalia, Dschibuti, Komoren
  • Naher Osten: Libanon, Syrien, Jordanien, Palästina, Irak
  • Arabische Halbinsel: Saudi-Arabien, Jemen, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Bahrain, Kuwait

Interessant zu wissen: Arabisch bedeutet nicht automatisch muslimisch. Zwar sind viele arabische Länder mehrheitlich muslimisch, es gibt jedoch auch arabische Christen, Drusen und andere religiöse Gruppen. Umgekehrt sind viele muslimische Länder nicht arabisch, zum Beispiel die Türkei, der Iran, Pakistan, Indonesien oder Malaysia.

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