In Deutschland haben 2024 so wenige Menschen geheiratet wie noch nie seit 1950. Das Statistische Bundesamt beziffert die Zahl der Eheschließungen auf rund 349.000. Davon entfielen rund drei Prozent auf schwule und lesbische Paare. In Zahlen ausgedrückt waren das 8.818 gleichgeschlechtliche Ehen.
Deutlicher Rückgang seit Einführung der Ehe für alle
Seit der Einführung der Ehe für alle im Oktober 2017 ist die Zahl der gleichgeschlechtlichen Eheschließungen in der amtlichen Statistik kontinuierlich gesunken. Während im ersten vollen Berichtsjahr 2018 noch 21.757 gleichgeschlechtliche Paare geheiratet hatten, waren es 2024 nur noch 8.818.
Dabei lagen lesbische Paare mit 4.706 Eheschließungen leicht vor schwulen Paaren mit 4.112 Eheschließungen.
Heiraten bleibt für viele die Ausnahme
Laut Statistik gaben mehr als drei Viertel (79 %) der Menschen, die 2024 heirateten, zum ersten Mal das Ja-Wort. Ende 2024 waren insgesamt 34,6 Millionen Erwachsene in Deutschland verheiratet, das ist etwa jede zweite erwachsene Person.
Für schwule, lesbische und bisexuelle Menschen ist der Gang zum Traualtar deutlich seltener: Bis Ende 2024 haben insgesamt 93 663 gleichgeschlechtliche Paare geheiratet. Das entspricht rund 2,5 Prozent der Schwulen, Lesben und Bisexuellen in Deutschland (Ipsos-Studie 2024/2025).
Mehr Ledige, spätere erste Ehe
Parallel zum Rückgang der Eheschließungen wächst der Anteil lediger Erwachsener. So waren Ende 2024 23,1 Millionen Menschen ab 18 Jahren ledig, 1994 waren es noch gut 16 Millionen. Der Anteil stieg somit in 30 Jahren von 24 auf 33 Prozent.
Auch das Alter bei der ersten Eheschließung hat sich deutlich nach oben verschoben: 2024 waren Frauen bei der ersten Heirat im Durchschnitt 32,9 Jahre alt, Männer 35,3 Jahre. 1994 lag der Durchschnitt bei beiden Geschlechtern noch unter 30 Jahren.
Mehr Scheidungen bei gleichgeschlechtlichen Paaren
Während immer weniger gleichgeschlechtliche Paare heiraten, steigt die Zahl der Scheidungen in diesem Bereich. Im Jahr 2024 ließen sich 1.545 homosexuelle Paare scheiden, im Jahr zuvor waren es 1.300. Seit 2018 nimmt die Zahl der Scheidungen von lesbischen und schwulen Paaren kontinuierlich zu.
Gleichzeitig hält eine Ehe im Durchschnitt länger als früher: 2024 lag die durchschnittliche Ehedauer bis zur Scheidung bei 14,7 Jahren. 1994 waren es 12,0 Jahre. Auch das Scheidungsalter ist gestiegen: 2024 lag es bei 44,6 Jahren (Frauen) bzw. 47,6 Jahren (Männer).
Deutschland im EU-Vergleich
Gemessen an der Bevölkerungszahl wird in Deutschland etwas häufiger geheiratet als im EU-Durchschnitt. Die meisten Ehen pro 1.000 Einwohner verzeichnet Eurostat in Rumänien, Lettland und Ungarn. Die wenigsten Ehen gibt es in Bulgarien, Italien und Slowenien.