Kreuzfahrtschiff darf nicht anlegen: Nach Türkei verweigert auch Ägypten die Einreise

Erst die Türkei, dann Ägypten: Die „Scarlet Lady“ mit rund 2.000 überwiegend homosexuellen Passagieren an Bord wurde innerhalb weniger Tage von zwei Ländern abgewiesen. Für den Veranstalter Atlantis Events ist dies ein beispielloser Vorgang in der 36-jährigen Firmengeschichte.

Die Passagiere der „Scarlet Lady“ sollten eigentlich Alexandria erkunden, die Pyramiden besuchen oder einen Ausflug nach Kairo unternehmen. Doch mitten in der Nacht kam die überraschende Nachricht, dass Ägypten dem Kreuzfahrtschiff die Einfahrt in seine Gewässer verweigert. Gegen 3:30 Uhr änderte das Schiff seinen Kurs.

Für die rund 2.000 Menschen an Bord war es bereits die zweite Abweisung innerhalb weniger Tage. Die „Scarlet Lady“ von Virgin Voyages ist vom 5. bis 15. Juli 2026 auf einer Mittelmeerreise von Athen nach Venedig unterwegs. Das gesamte Schiff wurde von Atlantis Events gechartert, einem US-amerikanischen Reiseveranstalter, der seit Jahrzehnten Kreuzfahrten und Urlaubsreisen für schwule Männer sowie andere queere Reisende organisiert.

Erst Türkei, dann Ägypten: Kreuzfahrtschiff Scarlet Lady darf erneut nicht anlegen

Ursprünglich waren Aufenthalte in Ku?adas? und Istanbul geplant. Doch die türkischen Behörden untersagten beide Hafenbesuche. Die Behörden der Provinz Ayd?n begründeten ihre Entscheidung damit, dass die Reise von Gruppen organisiert worden sei, deren Verhalten nicht mit den gesellschaftlichen und moralischen Wertvorstellungen des Landes übereinstimme.

Als Ersatz wurde Alexandria in den Reiseplan aufgenommen. Doch auch dieser Hafen blieb für die „Scarlet Lady” unerreichbar. Atlantis-Chef Rich Campbell informierte die Passagiere darüber, dass dem Schiff die Einfahrt in ägyptische Gewässer verweigert worden sei. Eine offizielle Begründung der ägyptischen Behörden war zunächst nicht bekannt. Die Entscheidung kam besonders überraschend, da Atlantis Events bereits mehrfach Ägypten besucht hatte und eine ähnliche Route noch im vergangenen Jahr ohne vergleichbare Probleme durchgeführt worden war.

Für Atlantis Events ist dieser Vorgang außergewöhnlich. Laut Unternehmensangaben war in seiner 36-jährigen Geschichte zuvor noch nie ein Schiff wegen der Identität seiner Gäste von einem Hafen abgewiesen worden. Nun geschah dies innerhalb weniger Tage gleich in zwei Ländern. Auch die Türkei hatte Atlantis Kreuzfahrten in der Vergangenheit bereits mehrfach empfangen.

Angst vor Dominoeffekt bei Gay Cruises

Die Ereignisse werfen eine unangenehme Frage auf: Könnten sich andere Staaten durch die Entscheidungen der Türkei und Ägyptens ermutigt fühlen, ebenfalls Gay Cruises aus ihren Häfen auszuschließen?

Diese Sorge erscheint nicht unbegründet. Solche Entscheidungen könnten weitere Staaten dazu bewegen, ähnliche Verbote auszusprechen. So entsteht hier ein gefährlicher Präzedenzfall. Kreuzfahrtschiffe werden normalerweise aus Gründen wie Wetter, Sicherheit oder technischen Problemen umgeleitet. Bei der „Scarlet Lady“ spielte im Fall der Türkei jedoch ausdrücklich die Identität der Passagiere eine zentrale Rolle. Die Menschen an Bord wurden nicht wegen ihres individuellen Verhaltens abgewiesen, sondern weil es sich um eine Gay Cruise handelte.

Besonders problematisch ist deshalb weniger die Änderung einer einzelnen Reiseroute, sondern die mögliche Signalwirkung. Sollten weitere Regierungen erkennen, dass sie ein überwiegend schwules Kreuzfahrtpublikum ohne größere Konsequenzen ausschließen können, könnte sich daraus ein neuer Trend entwickeln. Für queere Reisende würde dies bedeuten, dass die Auswahl möglicher Reiseziele stärker von politischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Rückschritten abhängig wäre.

Passagiere verlieren Ausflüge zu Pyramiden und Museen

Die kurzfristige Absage hatte für die Passagiere auch ganz konkrete Folgen. Viele hatten bereits private Ausflüge zu den Pyramiden, nach Kairo oder in ägyptische Museen gebucht. Ob sie die Kosten erstattet bekommen, hängt von den jeweiligen Anbietern und Buchungsbedingungen ab.

Statt nach Ägypten zu fahren, wurden nun weitere Stopps auf Kreta (Griechenland) sowie in Montenegro vorgesehen. Damit geht die Mittelmeerreise weiter, doch die zweimalige Abweisung dürfte weit über diese einzelne Kreuzfahrt hinaus Aufmerksamkeit erregen.

Die Ereignisse rund um die „Scarlet Lady” zeigen, wie schnell sich die Bedingungen für schwule und queere Reisende verändern können. Noch im vergangenen Jahr waren vergleichbare Reisen nach Ägypten offenbar problemlos möglich. Im Juli 2026 genügten innerhalb weniger Tage die Entscheidungen zweier Staaten, um eine seit Jahren etablierte Form des Tourismus plötzlich infrage zu stellen.

Dass zuerst die Türkei und anschließend Ägypten die Einreise verweigerten, sollte deshalb nicht als bloße Panne im Reiseplan betrachtet werden. Es ist ein politisches Signal, das andere Länder genau beobachten dürften. Und genau darin liegt die eigentliche Gefahr.

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