Türkei: Kreuzfahrtschiff Scarlet Lady darf nicht in Ku?adas? und Istanbul anlegen

Die türkischen Behörden haben der „Scarlet Lady” die geplanten Stopps in Ku?adas? und Istanbul untersagt. Das Kreuzfahrtschiff von Virgin Voyages war für eine Seereise des amerikanischen Veranstalters Atlantis Events gechartert worden, der seit vielen Jahren Kreuzfahrten für homosexuelle und queere Reisende organisiert.

Laut dem Gouverneursamt der Provinz Ayd?n durfte das Schiff am 7. Juli nicht im Hafen von Ku?adas? anlegen. Zur Begründung verwiesen die Behörden auf gesellschaftliche Werte und die öffentliche Moral. Die Kreuzfahrt sei von Gruppen organisiert worden, deren Auftreten nicht mit dem gesellschaftlichen Gefüge des Landes vereinbar sei.

Konservative Kampagne vor dem geplanten Hafenstopp

Vor der Entscheidung hatten regierungsnahe Medien und konservative Stimmen in der Türkei Stimmung gegen den Besuch des Schiffes gemacht. In den sozialen Netzwerken wurde gefordert, der „Scarlet Lady” die Einfahrt zu verweigern. Nach der Absage wurde diese von regierungsnahen Medien ausdrücklich begrüßt.

Auch der zweite geplante Stopp in der Türkei in Istanbul wurde gestrichen. Atlantis Events teilte seinen Gästen mit, dass alle Bemühungen, die Entscheidung rückgängig zu machen, erfolglos geblieben seien. Die Route wurde deshalb geändert. Anstelle von Ku?adas? und Istanbul stehen nun Alexandria (Ägypten) mit Ausflügen nach Kairo sowie Heraklion auf Kreta (Griechenland) auf dem Programm.

Atlantis Events spricht von einem beispiellosen Vorgang.

Für das Unternehmen ist der Vorfall außergewöhnlich. Geschäftsführer Rich Campbell erklärte gegenüber den Medien, dass dem Unternehmen in 36 Jahren noch nie wegen der Identität der Reisenden das Anlegen verweigert worden sei. Atlantis habe in den vergangenen 25 Jahren bereits mehrfach schwule Kreuzfahrten in türkische Häfen gebracht.

Die aktuelle Reise startete am 5. Juli in Athen und sollte ursprünglich über mehrere Mittelmeerhäfen bis nach Italien führen. An Bord befinden sich laut Medienberichten rund 2.000 Gäste. Auch die Broadway-Darstellerin Patti LuPone, die auf der Reise auftreten sollte, äußerte öffentlich ihre Empörung über die Entscheidung.

Bar in Istanbul geschlossen

Parallel zur Absage der Hafenstopps wurde in Istanbul eine Bar im Stadtteil Beyo?lu geschlossen. Sie soll in Unterlagen zur Reise als Veranstaltungsort genannt worden sein. Das Gouverneursamt von Istanbul verwies offiziell auf mutmaßliche Regelverstöße. In türkischen Medien wurde die Schließung jedoch im Zusammenhang mit der geplanten queeren Kreuzfahrt dargestellt.

Queeres Reisen in der Türkei wird schwieriger

Homosexualität ist in der Türkei nicht strafbar. Dennoch hat sich das politische Klima für queere Menschen in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Öffentliche Pride-Veranstaltungen werden in Istanbul seit 2015 regelmäßig verboten oder von der Polizei aufgelöst. Die Behörden berufen sich dabei meist auf Sicherheit, öffentliche Ordnung und gesellschaftliche Sensibilitäten.

Der Fall der „Scarlet Lady” zeigt, dass von dieser Haltung inzwischen auch internationale Reisende betroffen sein können. Für queere Urlauber:innen ist die Türkei damit schwerer einzuschätzen, obwohl Städte wie Istanbul lange als wichtige Ziele für Kultur, Nachtleben und Städtereisen galten.

Für Kreuzfahrtgäste bedeutet die Entscheidung vor allem eine kurzfristige Änderung der Reiseroute. Politisch ist der Vorgang jedoch weit mehr als eine logistische Panne. Die Türkei hat damit ein deutliches Signal gesendet. Queere Sichtbarkeit wird von Teilen des Staates nicht nur im Inland, sondern auch bei internationalen Touristen als Problem betrachtet.

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