Pimpernel Reunion in Köln: Schwule Diskothek kehrt für einen Abend zurück

Die Diskothek „Pimpernel” am Rudolfplatz zählte in den 1970er- und 1980er-Jahren zu den bekanntesten schwulen Treffpunkten Deutschlands. Nun lebt das Stück schwuler Stadtgeschichte in Köln wieder auf: Anlässlich des Auftakts der Cologne Pride erinnert das Café Bach der Aidshilfe Köln an die legendäre Disco Pimpernel. Die Veranstaltung findet am Samstag, dem 20. Juni 2026, ab 18 Uhr in der Pipinstraße 7 statt. Der Eintritt ist frei.

Für viele Männer war die Bar mehr als nur ein Ort zum Tanzen. Sie war Schutzraum und politischer Treffpunkt in einer Zeit, in der schwules Leben noch deutlich stärker ausgegrenzt wurde.

Bei der „Pimpernel Reunion” soll die Atmosphäre dieser Jahre noch einmal spürbar werden. Geplant ist ein Gespräch auf der Couch mit dem Gründer Jochen Saurenbach, früheren Gästen und Aktivisten der Schwulen Aktion Köln. Für die musikalische Begleitung sorgt DJ Addi mit Gay Disco Sound der 1970er Jahre.

Schwule Diskothek Pimpernel: Erinnerung an Kölner Institution

Jochen Saurenbach eröffnete das Pimpernel im Jahr 1972, damals galt die Bar als erste bekannte Schwulenbar Kölns. Schnell entwickelte sich der dreistöckige Laden am Rudolfplatz zu einem festen Anlaufpunkt der Szene. Auch prominente Gäste sollen dort gefeiert haben, darunter Freddie Mercury und Guido Westerwelle.

Das Pimpernel war jedoch nicht nur eine Partyadresse. Die Bar wurde auch zu einem Ort des Austauschs und der politischen Selbstbehauptung. Aktivisten der Schwulen Aktion Köln (SAK) nutzten den Treffpunkt für ihre Arbeit. Die SAK organisierte 1979 den ersten Christopher Street Day in Köln und prägte damit die Geschichte der schwulen Bürgerrechtsbewegung der Stadt.

1989 musste das „Pimpernel” schließen. Die Aids-Krise hatte das Nachtleben und die Szene schwer getroffen. Umso stärker ist die Erinnerung an einen Ort, der für viele Kölner Schwule mit Freiheit, Aufbruch und Zusammenhalt verbunden ist.

Orden für verdiente Aktivisten

Die Pimpernel-Reunion im Café Bach hat noch einen weiteren Anlass: Anfang Juni wurden mehrere verdiente Aktivisten aus der Kölner Szene mit dem Landesverdienstorden von Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Zu den Geehrten gehören Jochen Saurenbach, Erik Tenberken und Reinhard Klenke, die Ehrenmitglieder der Aidshilfe Köln sind.

Ministerpräsident Hendrik Wüst würdigte bei der Verleihung auch die Bedeutung des Pimpernel. Die frühere Disco sei nicht nur ein Ort zum Feiern gewesen, sondern auch ein Zentrum schwulen Lebens in Nordrhein-Westfalen. Somit steht die Reunion nicht nur für Nostalgie, sondern auch für die Anerkennung einer Geschichte, die lange Zeit zu wenig sichtbar war.

Mit dem Abend im Café Bach erhält Köln für einige Stunden ein Stück Pimpernel zurück. Für ältere Szenegänger dürfte es eine Reise in die eigene Vergangenheit werden. Jüngere Besucher haben die Gelegenheit, mehr über einen Ort zu erfahren, ohne den die schwule Geschichte Kölns kaum denkbar wäre.

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