Gay-Viertel Sheffield: Nur noch eine Gay Bar übrig

Das Gay-Viertel in Sheffield sollte die Antwort auf das berühmte Gay Village von Manchester werden. Doch nur wenige Jahre nach seiner Eröffnung ist vom Gayviertel der englischen Großstadt kaum noch etwas übrig. Im Stadtzentrum existiert mit Dempseys lediglich noch eine einzige ausdrücklich schwule Bar. Und selbst deren Zukunft ist ungewiss.

Als das sogenannte „Gay Quarter” 2018 am südlichen Ende der Einkaufsstraße „The Moor” ins Leben gerufen wurde, waren die Ambitionen groß. Allerdings bestand das neue Gayviertel zunächst nur aus einem bereits existierenden Gay Club: Dempseys. Noch im selben Jahr eröffnete Taylor mit Queer Junction eine weitere Bar. Kurz darauf folgte mit Frat House eine Gay-Sauna. Weitere Betriebe wurden angekündigt.

Doch die großen Pläne erfüllten sich nicht. Heute ist das Gayviertel praktisch wieder dort angekommen, wo es 2018 angefangen hat.

Queer Junction schloss nach Problemen mit Polizei und Behörden

Queer Junction stellte Anfang 2023 den Betrieb ein. Dem vorausgegangen waren Auseinandersetzungen mit der Polizei sowie Probleme im Umfeld der beiden Nachtclubs Dempseys und Queer Junction rund um Kriminalität.

Im November 2022 wurden die Öffnungszeiten beider Lokale vorübergehend auf vier Uhr morgens begrenzt. Hintergrund waren zahlreiche registrierte Straftaten im Umfeld der beiden Betriebe. Nach einer Messerstecherei beantragte die Polizei zudem eine Überprüfung der Lizenz von Queer Junction. Wenig später schloss die Bar.

Matt Taylor erklärte damals gegenüber PinkNews, der Betrieb habe aufgrund des Drucks der Polizei praktisch keine andere Wahl gehabt. Die South Yorkshire Police widerspricht dieser Darstellung und betont, dass die Betreiber die Entscheidung zur Schließung selbst getroffen hätten.

In den ehemaligen Räumen von Queer Junction befindet sich heute „Somewhere Different”, eine Mischung aus Illusionsgalerie, Brettspielcafé und Geschäft für Fidget-Spielzeug.

Dempseys ist der letzte Überlebende des Gayviertels

Übrig geblieben ist Dempseys. Die Gay Bar und der Nachtclub existieren seit dem Jahr 2000 an ihrem heutigen Standort und gelten inzwischen als Institution der schwulen Szene von Sheffield.

Nach aktuellen Angaben ist Dempseys das einzige Lokal im Stadtzentrum von Sheffield, das sich ausdrücklich an schwule und queere Gäste richtet. Die Betreiber Colin Humphreys und Kieron Lowry führen den Club seit Jahrzehnten und wollen so lange weitermachen, wie es möglich ist.

Allerdings könnte ausgerechnet ein großes Stadtentwicklungsprojekt dem letzten Gay Club der Stadt zum Verhängnis werden.

Das Areal rund um Moorfoot soll nämlich umfassend umgestaltet werden. Sheffield City Council und Homes England treiben dort ein großes Wohnungsbauprojekt voran. Auf dem mehr als fünf Hektar großen Gelände sind in einer ersten Phase rund 725 Wohnungen sowie neue Geschäftsflächen vorgesehen. Der Gesamtwert des Entwicklungsprojekts wird auf rund 300 Millionen Pfund geschätzt.

Frühere Visualisierungen des Projekts erweckten den Eindruck, dass auch das Gebäude von Dempseys verschwinden könnte. Die Betreiber befürchten daher, ihren Standort eines Tages zu verlieren. Eine Neueröffnung an einem anderen Ort planen sie eigenen Aussagen zufolge nicht.

Sheffield wollte eigentlich ein offizielles Gayviertel fördern

Besonders kurios ist, dass der Stadtrat von Sheffield im Juli 2022 noch für die Entwicklung eines offiziellen LSBTIQ+-Viertels gestimmt hatte. Eine zuständige Kommission sollte Gespräche mit der lokalen Szene vorbereiten.

Fast vier Jahre später scheint davon jedoch kaum etwas umgesetzt worden zu sein. Geplante Workshops fanden nicht statt. Auch die Betreiber von Dempseys gaben an, von der Stadtverwaltung nicht kontaktiert worden zu sein.

Damit steht Sheffield im deutlichen Gegensatz zu anderen nordenglischen Großstädten wie Manchester. Manchester beispielsweise besitzt mit dem Gay Village rund um die Canal Street eines der bekanntesten schwulen Ausgehviertel Europas. Auch Leeds verfügt mit seinem Freedom Quarter über mehrere Gay Bars und Clubs.

Sheffield hat dagegen in weniger als einem Jahrzehnt mehrere queere Lokale verloren. Neben Queer Junction schlossen auch DINA und OMG Sheffield. Sollte zusätzlich Dempseys verschwinden, gäbe es in der Stadt keinen einzigen ausdrücklich schwulen Club mehr.

Braucht Sheffield überhaupt ein Gay-Viertel?

Innerhalb der Sheffielder Schwulenszene wird allerdings diskutiert, ob ein klassisches Gayviertel nach dem Vorbild Manchesters noch zur Stadt passt.

Mit dem Gut Level gibt es beispielsweise einen von Queers geführten Veranstaltungsort, der den Schwerpunkt auf elektronische Musik und Clubkultur legt. Hinzu kommen Gruppen und Veranstaltungen, bei denen gemeinsame Interessen stärker im Mittelpunkt stehen als die sexuelle Orientierung.

Für schwule Besucher, die Sheffield als Reiseziel entdecken möchten, bleibt die Situation dennoch ernüchternd. Ein Viertel mit mehreren Gay-Bars, Clubs und Schwulensaunen gibt es faktisch nicht mehr.

Dempseys hält weiterhin die Stellung. Sollte jedoch auch diese letzte Institution eines Tages schließen, wäre das 2018 mit großen Hoffnungen gestartete Gayviertel endgültig Geschichte.

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