Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Gay-Dating-Apps auf Reisen zwar für Aufregung und neue Kontakte sorgen können, aber auch emotionale Erschöpfung, Catfishing und Verletzlichkeit mit sich bringen.
Laut einer neuen Studie verändern Dating-Apps nicht nur die Art und Weise, wie Menschen auf Reisen neue Leute kennenlernen, sondern auch, wie sie Begierde, Einsamkeit und ihr emotionales Wohlbefinden erleben.
Die auf Interviews mit schwulen Reisenden basierende Studie führt den Begriff „cyber-sexuelle Freizeit“ ein, um die intensiven digitalen Interaktionen zu beschreiben, die moderne Reiseerlebnisse prägen. Dazu zählen das Durchstöbern von Profilen, Flirten, Sexting, der Austausch von Fotos, Fantasieren und die Suche nach Verbindungen.
Die Studie ergab jedoch, dass diese Erfahrungen oft emotional kompliziert waren. Während Apps für Aufregung sorgen können, können sie auch zu emotionaler Erschöpfung, riskanten Situationen und Gefühlen der Leere führen.
Oft wird angenommen, dass es bei diesen Apps nur um Gelegenheitssex geht. Was die Teilnehmer jedoch beschrieben, war emotional viel intensiver und psychologisch viel komplexer. Viele durchlebten Zyklen aus Vorfreude, Aufregung, Ablehnung, Bestätigung, Enttäuschung und emotionaler Erschöpfung – manchmal alles innerhalb einer einzigen Reise.
Die Teilnehmer beschrieben, dass sie Dating-Apps auf Reisen nicht nur nutzten, um sich für Sex-Dates zu verabreden, sondern auch, um mit Langeweile, Unsicherheit und der emotionalen Intensität des Aufenthalts an unbekannten Orten fertigzuwerden.
Einige Befragte verglichen diese Erfahrung mit einem „Dopamin-Kick“, bei dem das Stöbern und das Erhalten von Aufmerksamkeit zu süchtig machenden Formen emotionaler Stimulation während der Reise wurden.
Gleichzeitig beschrieben die Teilnehmer auch dunklere Erfahrungen.
- So berichtete ein Teilnehmer, im Ausland jemanden getroffen zu haben, der anders aussah als auf den Profilfotos. Anschließend sei er in eine bedrohliche Situation mit Geldforderungen gedrängt worden.
- Andere beschrieben, sich emotional zu Sex gedrängt gefühlt zu haben, nachdem sie stundenlang online gechattet oder eine Reise unternommen hatten, um jemanden zu treffen.
Was diese Erfahrungen so prägend macht, ist, dass Vergnügen und Verletzlichkeit oft Hand in Hand gehen. Dieselben Apps, die Aufregung und Verbundenheit schaffen, können auch emotionalen Druck, Enttäuschung und Risiken hervorrufen.
Reisen können all dies noch verstärken, da Menschen sich außerhalb ihrer gewohnten Routinen befinden, anonymer sind, emotional exponierter sind und oft in ungewohnten Umgebungen nach Verbindung suchen.
Die Studie argumentiert, dass digitale Intimität zu einem wesentlichen Bestandteil dessen geworden ist, wie viele Menschen heute Reisen erleben. Anstatt Apps lediglich zur Vermittlung physischer Begegnungen zu nutzen, beschrieben die Teilnehmer:innen, dass sich Apps in die emotionale Atmosphäre des Reisens einfügen.