Nach 14 Jahren schließt die Video Pub in Jerusalem Ende Juni. In den vergangenen Jahren galt die Bar als einzige Gay Bar der Stadt und war ein wichtiger Treffpunkt für queere Menschen in Jerusalem. Für viele Gäste war sie mehr als nur ein Ort zum Ausgehen. Sie war ein Schutzraum, ein sozialer Treffpunkt und ein seltenes Stück queeres Nachtleben in einer Stadt, in der Sichtbarkeit oft komplizierter ist als in Tel Aviv.
Die 2012 eröffnete Gay Bar befand sich in der Yohanan-Horkanos-Straße 1 im Zentrum Jerusalems. Über die Jahre entwickelte sie sich zu einer festen Adresse für lokale Gäste, Touristen und Menschen, die in Jerusalem einen freieren Ort suchten. Dazu gehörten queere Menschen aus religiösen Familien, ehemalige religiöse Gäste, arabische Besucher, Studierende, Touristen und auch heterosexuelle Gäste.
Die Betreiber erklärten, dass ihnen die Entscheidung nicht leichtgefallen sei. Die vergangenen Jahre seien schwierig gewesen. Als Gründe nannten sie die Folgen der Corona-Pandemie, die Kriege seit dem Angriff vom 7. Oktober und die anhaltende Unsicherheit, die das Nachtleben und den Tourismus in Jerusalem stark belasten.
Gay Bar Jerusalem: Ort für queeres Leben in einer schwierigen Stadt
Das Video Pub war keine große Club-Institution, sondern ein eher intimer Ort in einem alten Steingebäude in Jerusalem. Hinter dem kleinen Eingang befanden sich eine Bar, eine Tanzfläche, eine Terrasse und eine Atmosphäre, die viele Besucher als freier und weniger wertend beschrieben als an anderen Orten der Stadt. Pop- und Electro-Musik, Drag-Shows und ein Retro-Stil prägten das Profil der Gay Bar.
In internationalen Reiseführern und queeren Reiseführern wurde die Video Pub regelmäßig als einzige echte Gay Bar Jerusalems genannt. Ihre Bedeutung lag jedoch nicht nur im touristischen Wert. Für viele Menschen aus der Stadt war sie einer der wenigen Orte, an denen queeres Leben sichtbar, alltäglich und persönlich werden konnte.
Besonders in Jerusalem hatte diese Rolle Gewicht. Während Tel Aviv weltweit als queere Party-Metropole in Israel gilt, ist Jerusalem religiöser, politischer und gesellschaftlich deutlich angespannter. Queere Menschen bewegen sich dort oft in einem sensibleren Umfeld. Genau deshalb war eine Bar wie das Video Pub für viele Gäste weit mehr als ein Nachtlokal.
Abschied von einem Stück queerer Stadtgeschichte
Nach der Bekanntgabe der Schließung reagierten viele Stammgäste traurig. In Kommentaren wurde das Video Pub als Zuhause, als Ort der Freiheit und als wichtiger Teil persönlicher Coming-out-Geschichten beschrieben. Einige Gäste schrieben, dass sie auch Jahre nach ihrem Wegzug aus Jerusalem noch mit der Bar verbunden sind.
Andere sehen die Schließung als Zeichen für eine größere Entwicklung. Wenn selbst die einzige Gay Bar der Stadt nicht mehr bestehen kann, stellt sich die Frage, welche Räume für queere Menschen in Jerusalem noch bleiben. Die Video Pub war besonders für junge Menschen, Touristen und Besucher aus konservativeren Familien ein sichtbarer Anlaufpunkt.
Mit dem Ende der Video Pub verliert Jerusalem mehr als nur eine Bar. Die Stadt verliert einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen konnten, die sonst oft zwischen Religion, Familie, Politik und gesellschaftlichem Druck stehen. Für queere Reisende bedeutet die Schließung, dass Jerusalem als Reiseziel noch weniger klar erkennbare Orte des queeren Nachtlebens bietet.
Die letzten Öffnungstage im Juni dürften für viele Gäste deshalb zu einem persönlichen Abschied werden. Nach 14 Jahren endet ein Kapitel, das für die queere Szene Jerusalems deutlich größer war als seine kleine Tanzfläche.