Dermatophilose: Seltene Hautinfektion bei schwulen Männern

In Spanien, Frankreich und Deutschland sind Männer, die Sex mit Männern haben, an einer ungewöhnlichen Hautinfektion erkrankt. Die Krankheit heißt Dermatophilose und wurde bislang vor allem mit Tieren wie Pferden oder Rindern in Verbindung gebracht. Französische und spanische Forscher berichten jetzt von kleineren Gruppen von Männern, die keinen Kontakt zu infizierten Tieren hatten.

Viele Betroffene waren vor dem Auftreten der Symptome in Gaysaunen gewesen. Deshalb glauben Fachleute, dass feuchte Räume eine Rolle bei der Übertragung spielen könnten. Dort könnten Sporen des Bakteriums länger leben und sich leichter verbreiten.

Dermatophilose-Fälle in Spanien, Frankreich und Deutschland

Unter anderem wurden Cluster in Barcelona und Lyon dokumentiert. Einige französische Fälle stehen zudem mit Paris und weiteren Städten in Verbindung. Auch aus Deutschland wurden inzwischen Fälle gemeldet.

Ausgelöst wird Dermatophilose durch das Bakterium Dermatophilus congolensis. Eine Infektion ist bei Menschen selten. Bei Tieren tritt sie dagegen häufiger auf, insbesondere unter feuchten und kühlen Bedingungen, etwa bei Nutztieren im Winter oder während regnerischer Perioden.

Die Inkubationszeit wird nach bisherigen Angaben auf drei bis 14 Tage geschätzt.

Welche Symptome treten bei Dermatophilose auf?

Typisch Symptome der Dermatophilose sind Hautveränderungen oder Ausschläge. Die Läsionen wurden vor allem an Körperstellen beobachtet, die beim Sex engerem Kontakt ausgesetzt sind. Dadurch kann die Erkrankung auf den ersten Blick anderen Infektionen ähneln, etwa Mpox.

Nach den bisher bekannten Informationen verliefen die Fälle mild. Einige Infektionen heilten von selbst ab, andere wurden erfolgreich mit Antibiotika behandelt. Das Bakterium gilt als empfindlich gegenüber verschiedenen Antibiotika.

Warum Gaysaunen im Fokus stehen

Schwulen Saunen wird nicht automatisch eine Gefahr zugesprochen. Dennoch können Wärme, Feuchtigkeit und enger Körperkontakt die Verbreitung bestimmter Erreger begünstigen. Das gilt besonders, wenn Hautkontakt, kleine Verletzungen und gemeinsam genutzte Oberflächen zusammenkommen.

Für Besucher bedeutet das jedoch nicht, in Panik zu geraten. Es ist jedoch sinnvoll, aufmerksam zu sein: Wer nach einem Saunabesuch oder sexuellem Kontakt ungewohnte Hautveränderungen bemerkt, sollte diese ärztlich abklären lassen. Dies ist besonders wichtig, wenn die Stellen schmerzen, nässen, sich ausbreiten oder nach wenigen Tagen nicht besser werden.

Zusammenhang mit HIV, PrEP und anderen Infektionen

Bei einigen der bekannten Fälle handelte es sich um Männer, die mit HIV lebten oder PrEP nahmen. Mehrere Betroffene hatten zusätzlich andere sexuell übertragbare Infektionen. In einzelnen Fällen wurde auch Chemsex genannt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass PrEP oder HIV die Ursache der Dermatophilose sind. Die Angaben zeigen jedoch, dass die Infektion in sexuellen Netzwerken beobachtet wurde, in denen auch andere STI häufiger auftreten. Fachleute weisen außerdem darauf hin, dass Vorerkrankungen den Verlauf der Erkrankung beeinflussen könnten.

Verwechslung mit Mpox möglich

Ein Problem könnte in der Ähnlichkeit der Hautsymptome mit denen anderer Erkrankungen bestehen. Insbesondere Mpox ist eine mögliche Verwechslungsgefahr. Deshalb sollten Ärztinnen und Ärzte bei unklaren Hautveränderungen nicht vorschnell urteilen, sondern passende Tests veranlassen.

Für die sexuelle Gesundheit schwuler Männer ist das ein wichtiges Signal: Auch dort, wo sie bisher kaum erwartet wurden, können neue oder seltene Infektionen auftreten. Früh erkannte Fälle lassen sich besser behandeln und helfen dabei, mögliche Übertragungswege zu verstehen.

Was Besucher von Saunas beachten können

Eine gute Hygiene ist weiterhin wichtig. Dazu gehören das Duschen vor und nach dem Besuch, die Verwendung eigener Handtücher, saubere Liegeflächen und der Verzicht auf Sex bei sichtbaren Hautveränderungen. Wer auffällige Stellen bemerkt, sollte bis zur Abklärung keinen engen Hautkontakt haben.

Dermatophilose wirkt nach aktuellem Kenntnisstand deutlich weniger bedrohlich als Mpox im Jahr 2022, trotzdem verdient die Entwicklung Aufmerksamkeit, da sie zeigt, wie schnell seltene Infektionen in bestimmten Kontaktumfeldern sichtbar werden können.

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