Alkoholfrei leben: Ein Thema, das mich auf Reisen, bei Einladungen und sogar im Freundeskreis immer wieder begleitet und erstaunlich viele Menschen aus der Fassung bringt. Ich trinke keinen Alkohol. Oder, um es präziser zu sagen: Ich mag ihn nicht. Das scheint für viele Leute schwerer zu akzeptieren zu sein als meine Homosexualität. In meinem heutigen Blogartikel erzähle ich dir von meinen Erfahrungen als Nicht-Trinker.
Alkoholfrei durch’s Leben: Meine Erfahrungen seit der Jugend
Meine erste sehr klare Begegnung mit Alkohol hatte ich mit 14 oder 15 Jahren. Es war eine Geburtstagsparty im Elternhaus einer Klassenkameradin. Was mich dabei völlig schockiert hat, war die Selbstverständlichkeit, mit der sich meine Klassenkameraden betrunken haben – und das im Wissen und sogar im Beisein ihrer Eltern. Für mich fühlte sich das nicht „cool“ oder „frei“ an, sondern einfach nur falsch. Bis dahin hatte ich meine Samstage zu Hause verbracht und mit meinen Eltern „Wetten, dass..?” geschaut. Ich erinnere mich noch gut daran, wie überfordert ich von meinen saufenden Mitschülern war. Am Ende habe ich meine Eltern angerufen und mich abholen lassen. Das war einfach nicht meine Welt.
Ein Abend ohne Alkohol trinken – für viele offenbar unvorstellbar
Bis heute hat sich daran wenig geändert. Wenn ich allein bin, käme ich niemals auf die Idee, Alkohol zu trinken. Ich habe überhaupt kein Bedürfnis danach. Wenn überhaupt, dann nur in Gesellschaft – und selbst dann bleibt es meist bei nur einem Glas. Nach einem zweiten Glas werde ich müde, möchte nach Hause, ins Bett und schlafen. Während andere erst richtig „warm werden“, ist mein Abend dann eigentlich schon vorbei.
Bier kommt für mich überhaupt nicht infrage. Ich mag den Geschmack überhaupt nicht. Wenn überhaupt, dann ein Radler, aber bitte mit sehr viel Limonade. Sekt? Ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie man das Zeug trinken kann. Zum Essen mit meinem Schatz trinke ich ab und zu ein kleines Glas Wein, aber wirklich nur ihm zuliebe.
Wenn ich Alkohol trinke, dann am ehesten einen bunten Cocktail. Aber selbst die sind mir oft zu teuer und ehrlich gesagt brauche ich sie auch nicht wirklich. Auf dem Weihnachtsmarkt bevorzuge ich eine heiße Schokolade statt eines Glühweins – aber bitte ohne Sahne, davon wird mir oft schlecht.
Ein guter alkoholfreier Drink macht mich genauso zufrieden. In meiner Lieblingsbar trinke ich gerne einen Coconut Kiss. Denn was ich liebe, sind süße Sachen. Cola, Fanta, Limonade – damit bin ich glücklich. Mittlerweile trinke ich sie aber in der zuckerfreien Variante. Und tagsüber im Büro oder zuhause trinke ich meist (kalten) Tee.
Kein Alkohol bei Einladungen: Warum mein Nein andere nervös macht
Was mich allerdings immer wieder erstaunt, ist die Reaktion meines Umfelds auf den Alkoholverzicht. Da wird nachgehakt, versucht zu überreden und oft sogar belächelt. Als wäre „Ich trinke nicht“ keine vollständige Antwort, sondern eine Einladung zur Diskussion. Viele halten mich sogar für unhöflich, wenn ich lieber etwas Alkoholfreies trinken möchte. Oft ist es schon passiert, dass ich zum Essen ein Glas Leitungswasser trinken musste, weil die Gastgeber nur alkoholische Getränke im Haus hatten. Für manche scheint Alkohol so fest zum sozialen Miteinander zu gehören, dass alles andere als Abweichung empfunden wird.
Erst letzte Woche ist mir das bei einer Einladung unserer Nachbarn wieder sehr deutlich aufgefallen. Sie waren regelrecht überfordert damit, dass ich keinen Alkohol trinke. Aus Gruppenzwang habe ich zwar mit Ihnen zur Begrüßung mit einem Glas Rotwein angestoßen. Zum Essen habe ich jedoch ein alkoholfreies Getränk bevorzugt. Glücklicherweise haben Sie irgendwo im Keller noch eine Schorle gefunden. Da sie nur eine kleine Flasche davon hatten, musste ich mir diese jedoch für den ganzen Abend einteilen.
Was sind die Vorteile eines alkoholfreien Lebens?

Ein alkoholfreies Leben hat viele Vorteile. Einer der größten ist der klare Kopf. Ohne Alkohol bleibt man mental präsent, trifft bewusstere Entscheidungen und erlebt Situationen, Gespräche und Reisen intensiver. Abende verschwimmen nicht, Erinnerungen bleiben vollständig und man fühlt sich am nächsten Tag nicht wie gerädert.
Für mich ist der größte Vorteil, dass ich keinen Kater habe: Ich hasse Kopfschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit! Gerade am Wochenende oder im Urlaub bedeutet das mehr echte Freizeit, statt einen halben Tag mit Regeneration zu verbringen. Auch der Schlaf verbessert sich spürbar, denn Alkohol stört die Schlafqualität stärker als viele vermuten. Ohne Alkohol schläft man tiefer und ruhiger und wacht erholter auf. Das wirkt sich positiv auf Energie, Konzentration und Stimmung aus.
Langfristig profitiert der gesamt Körper von einem alkoholfreien Leben. Leber, Herz und Immunsystem werden entlastet und auch Haut und Gewicht reagieren positiv – wahrscheinlich ein Grund, warum ich mit fast 50 nur sehr wenige Falten habe. Gleichzeitig behält man die Kontrolle über das eigene Verhalten. Emotionen bleiben stabiler, impulsive Entscheidungen nehmen ab und das Gefühl, sich am nächsten Tag für Worte oder Taten rechtfertigen zu müssen, entfällt.
Ein alkoholfreies Leben bedeutet außerdem mehr Unabhängigkeit. Man muss sich nicht dem sozialen Druck beugen, mitzutrinken. Das stärkt die innere Haltung und sorgt für mehr Gelassenheit.
Und schließlich ist da noch der finanzielle Aspekt: Alkohol ist teuer, besonders beim Ausgehen oder auf Reisen. Wer darauf verzichtet, spart mehr, als ihm bewusst ist.
Kein Alkohol, kein Kontrollverlust: Meine bewusste Entscheidung
Ich bin kein Anti-Alkoholiker. Aber für mich ist es ganz einfach: Ich mag einfach keinen Alkohol. Und ich brauche ihn auch nicht, um mir für irgendetwas Mut oder gute Laune anzutrinken (ich bin gerne schlecht gelaunt). Außerdem habe ich keine Lust auf einen Kater am nächsten Morgen. Ich habe keine Lust auf Kopfschmerzen, Müdigkeit und dieses schreckliche Gefühl, einen Tag zu verlieren. Gerade auf Reisen möchte ich wach sein, klar im Kopf, um Eindrücke aufnehmen zu können. Ich möchte früh aufstehen können, wenn es sich lohnt. Ein Sonnenaufgang, ein Marktbesuch am Morgen oder ein Spaziergang durch eine fremde Stadt sind mir wichtiger als eine durchzechte Nacht.
Das passt vielleicht nicht in jedes Bild von Feiern, Urlaub oder Szeneleben. Aber es passt zu mir. Und je älter ich werde, desto entspannter gehe ich damit um. Ich muss niemandem mehr erklären, warum ich etwas nicht mag. Ich weiß, was mir guttut und was nicht. Und genau darum geht es beim Reisen und im Leben insgesamt: den eigenen Rhythmus zu finden und ihm treu zu bleiben.
