Laut dem neuen „Travel Proud Report“ von Booking.com verbergen mehr als zwei Drittel der Reisenden aus der LGTBQ-Community im Urlaub zumindest einen Teil ihrer Identität. Das geht aus dem neuen „Travel Proud Report“ von Booking.com hervor. Weltweit gaben nur 31 Prozent der Befragten an, auf Reisen offen mit ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität umzugehen.
Für die Untersuchung wurden 13.331 Menschen aus 19 Ländern befragt. Darunter befanden sich 1.035 Teilnehmer aus Deutschland. Alle Befragten waren volljährig und hatten innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens eine private Reise mit Übernachtung unternommen. Die Befragung fand im Februar und März 2026 statt.
Im Freundeskreis geoutet, im Urlaub vorsichtig
Während nur 31 Prozent auf Reisen offen leben, sind 68 Prozent gegenüber engen Freunden geoutet. Der große Unterschied zeigt, wie stark das Verhalten vom jeweiligen Reiseziel und von der persönlichen Sicherheitslage abhängt.
Besonders deutlich wird dieser Konflikt bei der Wahl eines Traumreiseziels. 40 Prozent wären bereit, ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu verbergen, um einen Ort auf ihrer Wunschliste besuchen zu können.
Für viele schwule Reisende beginnt die Vorsicht bereits bei der Urlaubsplanung. Sie fragen sich, ob sie im Hotel ein Doppelbett buchen können und ob sie in der Öffentlichkeit Zuneigung zeigen sollten. In manchen Ländern kommt die Sorge vor strafrechtlichen Konsequenzen hinzu.
Weniger negative Erlebnisse durch Unsichtbarkeit
Die Ergebnisse zeigen, dass nicht geoutete Reisende seltener von negativen Erfahrungen berichten
- 34 Prozent dieser Gruppe erlebten in den vergangenen zwölf Monaten eine unangenehme Situation, die mit ihrer Identität zusammenhing.
- Unter allen LGTBQ-Reisenden lag der Anteil bei 62 Prozent.
- Bei trans Reisenden waren es sogar 73 Prozent. Sie fühlen sich auf Reisen zudem häufiger unsicher als andere befragte Gruppen.
- Auch beim Thema Angst zeigen sich deutliche Unterschiede. Unter den nicht geouteten Reisenden gaben 53 Prozent an, unterwegs keine Angst zu verspüren. Unter allen Befragten waren es nur 30 Prozent.
Das bedeutet allerdings nicht, dass das Verbergen der eigenen Identität grundsätzlich Sicherheit garantiert. Die Zahlen zeigen lediglich, dass Menschen seltener angefeindet werden, wenn ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität für andere nicht erkennbar ist. Der vermeintliche Schutz entsteht somit durch Unsichtbarkeit.
Viele Reisende treffen zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen
44 Prozent der Befragten treffen heute mehr Sicherheitsvorkehrungen als noch vor einigen Jahren. Ein Viertel teilt während einer Reise seinen Standort in Echtzeit mit einer vertrauten Person. 16 Prozent löschen Dating-Apps vor einem Grenzübertritt.
Weitere Reisende verwenden einen VPN-Dienst, um ihre Internetaktivitäten zu verbergen. 18 Prozent nehmen ein zusätzliches Mobiltelefon mit.
Fast die Hälfte der Befragten beobachtet zunächst aufmerksam die Umgebung, bevor sie dem Partner in der Öffentlichkeit Zuneigung zeigt. Ein Kuss oder das Halten der Hand wird damit selbst im Urlaub zu einer bewussten Risikoentscheidung.
Trans-Reisende empfinden häufiger Angst
43 Prozent der trans Reisenden fühlen sich heute ängstlicher als noch vor einigen Jahren. Im Durchschnitt aller Befragten lag dieser Anteil bei 27 Prozent.
Als besonders belastend empfinden trans Menschen die Nutzung geschlechtlich getrennter Toiletten und Umkleideräume. Für 24 Prozent von ihnen ist dies der größte Angstauslöser während einer Reise.
Auch positive Erfahrungen nehmen zu
Trotz der zahlreichen Probleme berichteten 82 Prozent von mindestens einem positiven Erlebnis im vergangenen Jahr, das mit ihrer Identität zusammenhing. Dazu gehörte beispielsweise, dass Hotelmitarbeiter die richtigen Pronomen verwendeten. Auch sichtbare Regenbogenfahnen in einer Unterkunft wurden positiv wahrgenommen.
58 Prozent sind der Ansicht, dass sich die Akzeptanz in den vergangenen Jahren verbessert hat. Zwei Drittel bevorzugen Urlaubsziele, an denen sie vollständig sie selbst sein können.
Der „Travel Proud Report” von Booking.com macht dennoch deutlich, wie weit der Tourismus von echter Reisefreiheit entfernt ist. Solange homosexuelle Menschen ihre Beziehung verbergen müssen, um sich sicher zu fühlen, können sie ihren Urlaub nicht mit derselben Selbstverständlichkeit genießen wie heterosexuelle Paare.