Die Lage für queere Menschen in Senegal hat sich deutlich verschärft. Präsident Bassirou Diomaye Faye hat ein neues Gesetz unterzeichnet, das die Strafen für gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen massiv erhöht. Statt bisher maximal fünf Jahren Haft drohen nun fünf bis zehn Jahre Gefängnis. Auch die Geldstrafen wurden erhöht. Zusätzlich stellt das Gesetz die sogenannte „Förderung” oder Finanzierung von Homosexualität unter Strafe.
Senegal geht härter gegen Homosexualität vor.
Gleichgeschlechtliche Handlungen waren in Senegal bereits zuvor strafbar. Grundlage ist Artikel 319 des Strafgesetzbuches, der sogenannte „widernatürliche Handlungen“ kriminalisiert. Das neue Gesetz erhöht nun nicht nur die Strafen, sondern weitet die Verfolgung auch auf angebliche Werbung, Finanzierung oder öffentliche Befürwortung aus.
Der Vorstoß wurde von Premierminister Ousmane Sonko unterstützt. Das Parlament stimmte am 11. März 2026 mit großer Mehrheit für die Verschärfung. Laut Reuters gab es 135 Ja-Stimmen, keine Gegenstimmen und drei Enthaltungen.
Festnahmen und zunehmende Feindseligkeit
Menschenrechtsorganisationen warnen seit Monaten vor einer gefährlichen Entwicklung. So berichtete Human Rights Watch im Februar 2026 von der Festnahme von zwölf Männern in Dakar. Ihnen wurden unter anderem „widernatürliche Handlungen” vorgeworfen. In einigen Fällen standen zusätzlich Vorwürfe im Raum, die mit HIV in Verbindung gebracht wurden.
Lokale Medien berichten von weiteren Festnahmen. Unter den Festgenommenen war laut Africanews auch der Journalist Pape Biram Bigué Ndiaye, der später wieder freigelassen wurde. Die Polizei in Dakar soll mehrere Ermittlungen durchführen.
Die Stimmung wird durch öffentliche Kampagnen zusätzlich angeheizt. In Dakar kam es zu Protesten, bei denen Homosexualität als Gefahr für die öffentliche Gesundheit dargestellt wurde. Solche Behauptungen werden von Fachleuten deutlich zurückgewiesen, können aber das Risiko für queere Menschen im Alltag erhöhen.
Zwischen religiösem Druck und politischer Härte
Senegal gilt international oft als vergleichsweise stabiles Reiseland in Westafrika. Für queere Besucherinnen und Besucher zeigt sich jedoch eine andere Realität. Homosexualität ist gesellschaftlich stark tabuisiert. Religiöse Gruppen und konservative Bewegungen üben Druck auf Politik und Öffentlichkeit aus.
Ein besonders erschütternder Fall sorgte 2023 für internationale Aufmerksamkeit: In Kaolack wurde der Leichnam eines Mannes, der als schwul galt, von einem Mob aus dem Grab geholt und öffentlich verbrannt. Der Vorfall wurde in den sozialen Medien verbreitet und zeigte, wie weit Hass und Entmenschlichung reichen können.
Was bedeutet das für homosexuelle Reisende?
Für schwule Männer ist Senegal derzeit kein unbeschwertes Reiseziel. Zwar richtet sich das Gesetz in erster Linie gegen Menschen im Land, doch auch Besucher können bei gleichgeschlechtlichen Kontakten, sichtbarer Zuneigung oder der Nutzung von Dating-Apps in Gefahr geraten. Besonders riskant sind private Treffen mit Unbekannten, offene Profile in Apps und jede Situation, in der Erpressung oder Denunziation möglich ist.
Dakar hat eine spannende Kulturszene, Strände und eine besondere Lage zwischen Atlantik und westafrikanischer Geschichte. Trotzdem sollten queere Reisende sehr genau abwägen, ob sie das Land in Afrika unter diesen Bedingungen besuchen möchten. Wer dennoch reist, sollte diskret auftreten, sensible Apps absichern und keine persönlichen Informationen leichtfertig teilen.
Menschenrechtsgruppen schlagen Alarm
Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, forderte Senegal auf, das neue Gesetz nicht zu unterzeichnen. Er kritisierte, dass es die Rechte auf Privatsphäre, Gleichheit, Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit verletze.
Auch FIDH bezeichnete die Reform als deutliche Verschärfung der Kriminalisierung. Die Organisation warnt, dass nicht nur queere Menschen selbst gefährdet sind, sondern auch Personen, die ihnen helfen oder öffentlich über ihre Rechte sprechen.
Queeres Leben wird weiter in den Untergrund gedrängt
Hilfsorganisationen berichten, dass Schutzangebote immer schwieriger aufrechtzuerhalten sind. So musste beispielsweise die Organisation Free Senegal, die gefährdete queere Menschen unterstützt, 2025 ein Safe House in Dakar schließen, da die Sorge vor Meldungen durch Nachbarn zu groß wurde.
Für viele Betroffene bleibt nur Unsichtbarkeit, Flucht oder ein Leben in ständiger Vorsicht. Die neue Rechtslage sendet ein klares Signal: Der Senegal verschärft nicht nur die juristischen Strafen, sondern erhöht auch den sozialen Druck auf Menschen, die ohnehin kaum Schutz finden.