San Francisco: Gesichtsscanner in Gay Bars im Castro sorgen für Kritik

Im Castro-Viertel von San Francisco in den USA setzen mehrere bekannte Gay-Bars offenbar auf Gesichtsscanner, die an Sicherheitskontrollen am Flughafen erinnern. Laut einem Bericht nutzen die Bars Mix, Badlands und Toad Hall Geräte des Anbieters Patronscan, um Gäste beim Einlass zu erfassen.

Welche Daten erfassen die Gesichtsscanner in den Gay Bars?

Die Scanner sollen Ausweise prüfen, gefälschte Dokumente erkennen und problematische Gäste identifizieren. Brisant ist jedoch, welche Daten dabei gespeichert werden. Dem Bericht zufolge werden nicht nur Namen und Adressen erfasst, sondern auch Geschlecht, Foto und Hinweise zum Verhalten in den Bars. Wer wegen eines Vorfalls markiert wird, kann in einem gemeinsamen System landen, auf das auch andere Lokale Zugriff haben.

Besonders sensibel ist der Einsatz solcher Technik ausgerechnet in einem historischen, queeren Viertel wie dem Castro. Es gilt weltweit als Symbol schwuler Sichtbarkeit und politischer Selbstbehauptung. Viele Menschen gehen dorthin, um frei zu feiern, zu flirten und sich sicher zu fühlen. Wenn private Unternehmen Listen von Gästen anlegen, Fotos speichern und Informationen mit anderen Bars teilen, entsteht ein massives Vertrauensproblem.

Nach Angaben eines Mitarbeiters von Mix werden die Daten regulärer Gäste 30 Tage lang gespeichert. Wer jedoch wegen angeblichen Fehlverhaltens markiert wird, soll dauerhaft im System bleiben. Als Beispiele wurden Schlägereien oder Diebstahl genannt. Unklar bleibt, wie Betroffene erfahren, dass sie markiert wurden, wie sie sich dagegen wehren können und wer die Einträge kontrolliert.

Warum ist die Gesichtserkennung in Schwulenbars problematisch?

Besonders kritisch ist auch die Art der Information vor Ort. Angeblich befindet sich zwar ein entsprechender Hinweis am Gerät, dieser ist aber klein und leicht zu übersehen. Gäste werden offenbar nicht immer ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie fotografiert werden. In einer Bar, in der sich viele Menschen spätabends entspannt oder angetrunken aufhalten, reicht ein kleines Schild kaum aus, um von echter Zustimmung zu sprechen.

Der Fall zeigt ein größeres Problem: Überwachungstechnik wird zunehmend normalisiert. Was früher mit Polizei, Flughafen oder Hochsicherheitsbereich assoziiert wurde, steht heute am Eingang einer Gay Bar. Für die Betreiber mag das nach mehr Sicherheit klingen. Für Gäste bedeutet es jedoch, dass ihr Abend im Club mit digitaler Erfassung beginnt.

San Francisco hat 2019 den Einsatz von Gesichtserkennung durch städtische Behörden verboten. Dieses Verbot gilt jedoch nicht für private Unternehmen. Genau dort entsteht nun eine Grauzone. Bars können Technik einsetzen, die tief in die Privatsphäre eingreift, ohne dass die Gäste im Alltag wirklich nachvollziehen können, was mit ihren Daten passiert.

In der schwulen Szene ist das Thema besonders heikel. Viele Menschen möchten selbst entscheiden, wo sie sichtbar sind und wo nicht. Nicht jeder Gast einer Gay Bar ist öffentlich geoutet. Nicht jeder möchte, dass sein Besuch dokumentiert wird. Und niemand kann sicher wissen, wie solche Daten in Zukunft genutzt, weitergegeben oder ausgewertet werden.

Auch wenn manche Gäste die Scanner locker sehen, bleibt die Grundfrage: Wie viel Überwachung ist in queeren Schutzräumen akzeptabel? Sicherheit ist wichtig. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass ausgerechnet Orte der Freiheit zu Orten der Datensammlung werden.

Der Fall aus dem Castro sollte deshalb auch in Europa aufmerksam verfolgt werden. Gesichtserkennung, digitale Gästelisten und vernetzte Sperrsysteme könnten auch in anderen Städten für Betreiber attraktiver werden. Für queere Bars wäre das ein gefährlicher Kulturwandel: weg vom anonymen Nachtleben, hin zur kontrollierten Eingangsschleuse.

Wer ausgeht, sollte feiern können, ohne automatisch Teil einer Datenbank zu werden. Besonders in Gay Bars muss Privatsphäre mehr sein als ein Hinweis im Kleingedruckten am Eingang.

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