Die Stadt San Diego in Kalifornien hat eine mehr als 35 Jahre alte Verordnung für Badehäuser aufgehoben. Der Stadtrat stimmte einstimmig für die Abschaffung der Vorschriften, die 1988 auf dem Höhepunkt der HIV- und AIDS-Krise beschlossen und 1991 noch einmal geändert worden waren.
San Diego: Schwule Badehaus Verordnung aufgehoben
Das damalige Regelwerk sollte sexuelle Begegnungen zwischen ihnen in Badehäusern einschränken. Auf diese Weise wollte die Stadt die Ausbreitung von HIV verhindern.
Die Vorschriften beruhten jedoch auf Vorstellungen, die heute sowohl medizinisch als auch gesellschaftlich als überholt gelten. Laut dem Stadtrat wurden sie von der Polizei und anderen Behörden bereits seit Langem nicht mehr angewendet. Dennoch blieben sie Bestandteil des kommunalen Gesetzbuches.
Die Verordnung wurde zufällig von einem Mitarbeiter des Büros des Stadtratspräsidenten Joe LaCava entdeckt. Dieser suchte aus einem anderen Grund in den städtischen Bestimmungen und stieß dabei auf den alten Text.
LaCava erklärte, dass die fehlende Durchsetzung kein Grund sei, die Vorschriften weiterhin bestehen zu lassen. Sie spiegelten eine diskriminierende Sicht auf schwule und bisexuelle Menschen wider.
Gay-Badehäuser halfen bei der Gesundheitsaufklärung
In der Sitzung erinnerten mehrere Redner daran, dass Gay-Badehäuser während verschiedener Gesundheitskrisen wichtige Aufklärungsarbeit geleistet hatten. Sie vermittelten Informationen über Safer Sex und ermöglichten den Zugang zu HIV-Tests. Viele Einrichtungen verwiesen ihre Gäste zudem an medizinische Beratungsstellen.
Trotz dieses Engagements behandelte die Verordnung die Badehäuser hauptsächlich als Gefahr für die öffentliche Gesundheit. Diese Stigmatisierung habe bis heute Folgen, erklärten Teilnehmer der Sitzung.
Menschen, die sich wegen ihrer Sexualität oder ihres Sexualverhaltens verurteilt fühlen, lassen sich seltener auf HIV testen. Dadurch kann eine Infektion länger unentdeckt bleiben. Beratungsstellen in San Diego setzen deshalb auf vertrauliche Angebote ohne moralische Bewertung.
Medikamente haben die HIV-Prävention verändert
Auch Vertreter der Gesundheitsbehörden unterstützten die Aufhebung. Schwule und bisexuelle Männer hätten ihr Verhalten bereits vor dem Inkrafttreten der Verordnung geändert. Viele reduzierten ihre Sexualkontakte oder verwendeten Kondome, um sich und andere zu schützen.
Ob die Vorschriften von 1988 überhaupt einen messbaren Beitrag zur Eindämmung von HIV leisteten, wird daher bezweifelt. Als wirksamer erwiesen sich Initiativen aus der schwulen Bevölkerung, die verständlich über Übertragungswege und Schutzmaßnahmen informierten.
Heute stehen mit der PrEP und modernen HIV-Medikamenten sehr wirksame medizinische Mittel zur Verfügung. Eine erfolgreiche Therapie kann die Virusmenge so weit senken, dass HIV beim Sex nicht mehr übertragen wird.
Als wesentliches Hindernis gilt inzwischen weniger das Verhalten in Gay-Badehäusern als der ungleiche Zugang zur Gesundheitsversorgung. Wer mit hohen Wohnkosten oder fehlender medizinischer Absicherung kämpft, kann Vorsorge und regelmäßige Tests häufig nicht priorisieren.
Auch andere Städte ändern ihre Gesetze
San Diego ist nicht die einzige Stadt in den USA, die ihre alten Vorschriften überprüft. So hat San Francisco seine entsprechenden Bestimmungen bereits 2024 entfernt und Minneapolis hat im Juni 2026 sein Verbot von Badehäusern und sexuellen Begegnungsstätten für Erwachsene aufgehoben.
In New York gibt es ebenfalls politische Bestrebungen, vergleichbare Regelungen abzuschaffen. Damit wächst in den Vereinigten Staaten die Bereitschaft, Gesetze aus der frühen Zeit der HIV-Krise an den heutigen medizinischen Wissensstand anzupassen.
Für San Diego bedeutet die Entscheidung vor allem die Beseitigung eines diskriminierenden Relikts. Die einstimmige Abstimmung macht zugleich deutlich, dass erfolgreiche HIV-Prävention heute auf medizinischer Versorgung und freiwilligen Tests basiert. Stigmatisierende Verbote gelten dagegen zunehmend als kontraproduktiv.