Russland bestraft Booking.com wegen sogenannter LGBT-Propaganda

Ein Gericht in Moskau hat die Hotelbuchungsplattform booking.com wegen sogenannter LGBT-Propaganda und der verspäteten Löschung verbotener Inhalte zu einer Geldstrafe verurteilt. Die internationale Buchungsplattform muss insgesamt sechs Millionen Rubel zahlen.

Das Taganski-Bezirksgericht verhängte zwei einzelne Strafen in Höhe von jeweils drei Millionen Rubel. Umgerechnet entspricht die gesamte Forderung etwa 60.000 Euro.

Auslöser des Verfahrens war Newsletter an internationale Hotelpartner

Auslöser des Verfahrens war offenbar ein Newsletter für Hotels außerhalb Russlands. Darin informierte Booking.com seine Partner über die Unterbringung queerer Gäste während des Pride-Monats.

Die russischen Behörden stuften diese Informationen als verbotene Propaganda ein. Der staatliche Medienregulator Roskomnadsor soll im März 2026 ein mit dem Beitrag verbundenes Foto entdeckt und dessen Löschung verlangt haben.

Booking.com erklärte während des Verfahrens, dass die betreffende Seite bereits am 11. März entfernt worden sei. Das Gericht folgte dieser Argumentation jedoch nicht.

Laut dem russischen Justizportal RAPSI wurde Booking.com wegen zweier Verwaltungsverstöße verurteilt. Ein Vorwurf betraf die Darstellung sogenannter nicht traditioneller sexueller Beziehungen. Der andere Vorwurf bezog sich auf die angebliche Nichtlöschung untersagter Informationen.
Der Inhalt richtete sich nicht an russische Reisende.

Bemerkenswert ist, dass sich die beanstandete Mitteilung nach übereinstimmenden Berichten an internationale Hotelpartner richtete. Sie war nicht speziell für den russischen Markt oder für minderjährige Nutzer bestimmt.

Booking.com argumentierte zudem, dass Roskomnadsor seine Löschaufforderungen an ungeeignete E-Mail-Adressen geschickt habe. Für behördliche Anfragen unterhalte das Unternehmen einen eigenen Kontaktweg.

Die unabhängige russische Nachrichtenseite Mediazona berichtet, dass eine Mitteilung über die Aufnahme queerer Gäste während des Pride-Monats im Mittelpunkt des Verfahrens stand.

Russland verschärft Vorgehen gegen queere Sichtbarkeit

Die Strafe gegen Booking.com steht im Zusammenhang mit der zunehmenden Verfolgung queerer Inhalte in Russland. Das russische Verbot sogenannter LGBT-Propaganda wurde 2022 deutlich ausgeweitet. Seitdem können auch Informationen für Erwachsene mit Geldstrafen belegt oder vollständig gesperrt werden.

Im Jahr 2023 stufte das Oberste Gericht die sogenannte internationale LGBT-Bewegung als extremistisch ein. Diese juristisch unscharfe Bezeichnung ermöglicht es den Behörden, Organisationen und Einzelpersonen strafrechtlich zu verfolgen.

Betroffen sind nicht nur politische Gruppen. Auch Medien und Streamingdienste geraten ins Visier der Behörden. Selbst Regenbogensymbole oder sachliche Informationen über gleichgeschlechtliche Beziehungen können als Verstoß gewertet werden.

Der Fall zeigt, dass die russische Zensur inzwischen auch Inhalte internationaler Reiseunternehmen erfasst. So reichte eine Mitteilung über queere Hotelgäste aus, um ein Verfahren gegen eine der weltweit größten Buchungsplattformen einzuleiten.

Was bedeutet das für homosexuelle Reisende?

Aus dem Urteil ergeben sich zunächst keine bekannten Veränderungen für Buchungen in anderen Ländern. Booking.com hatte bereits im März 2022 die Vermittlung russischer Unterkünfte ausgesetzt.

Für homosexuelle Reisende besitzt der Fall dennoch eine deutliche Signalwirkung. Er zeigt, wie weit russische Behörden den Begriff der Propaganda auslegen. Schon neutrale Hinweise auf queere Reisende oder Pride-Veranstaltungen können rechtliche Konsequenzen haben.

Auch persönliche Inhalte auf Smartphones können bei einer Kontrolle problematisch werden. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass Fotos und private Nachrichten ausgewertet werden können. Bezüge zu queeren Themen könnten gegen die Reisenden verwendet werden.

Deutschland warnt derzeit grundsätzlich vor Reisen nach Russland. Ausländischen Personen drohen wegen angeblicher LGBT-Propaganda Geldbußen und bis zu 15 Tage Haft. Auch eine Ausweisung ist möglich.

Die Geldstrafe gegen Booking.com ist deshalb mehr als nur ein Konflikt zwischen einer Plattform und einer Aufsichtsbehörde. Sie verdeutlicht, dass selbst Informationen über einen respektvollen Umgang mit queeren Hotelgästen in Russland kriminalisiert werden können.

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