Mexikos erster offen schwuler Bürgermeister in Guadalajara erschossen

Der mexikanische Politiker Benjamín Medrano Quezada ist im Alter von 59 Jahren bei einem Schusswaffenangriff in Guadalajara getötet worden. Der ehemalige Bürgermeister schrieb 2013 Geschichte, als er als erster offen schwuler Mann Mexikos an die Spitze einer Stadt gewählt wurde. Zu den Hintergründen der Tat gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse.

Laut mexikanischer Medien wurde Medrano am vergangenen Dienstag vor einer Eisdiele in Guadalajara im Bundesstaat Jalisco erschossen. Seine Leiche konnte den Berichten zufolge erst zwei Tage später offiziell identifiziert werden.

Die zuständigen Ermittlungsbehörden haben inzwischen Untersuchungen zum Ablauf der Tat und zu möglichen Motiven aufgenommen. Bislang wurden weder konkrete Tatverdächtige genannt, noch wurde bekannt gegeben, ob der Mord mit Medranos politischer Vergangenheit oder anderen Konflikten in Verbindung stehen könnte.

Historische Wahl zum Bürgermeister von Fresnillo

Benjamín Medrano Quezada war viele Jahre lang in der mexikanischen Politik aktiv. Nach verschiedenen Ämtern auf kommunaler Ebene gelang ihm im Jahr 2010 für die Partei PRI der Einzug in das Parlament des Bundesstaates Zacatecas.

Drei Jahre später folgte der größte politische Erfolg seiner Karriere. Im Juli 2013 wurde Medrano zum Bürgermeister von Fresnillo, einer Stadt mit rund 130.000 Einwohnern, gewählt. Damit war er der erste offen schwule Politiker Mexikos, der ein solches Amt übernahm.

Die Wahl sorgte auch deshalb international für Aufmerksamkeit, weil Fresnillo in einer gesellschaftlich konservativ geprägten Region liegt. Zudem gehört die Gegend zu den Teilen Mexikos, die seit Jahren stark unter organisierter Kriminalität und der Gewalt rivalisierender Drogenkartelle leiden.

Nach seiner Zeit als Bürgermeister gehörte Medrano von 2015 bis 2018 dem mexikanischen Bundesparlament an. Später arbeitete er unter anderem als Unternehmer, Sänger und Organisator eines großen Volksfestes.

Offen schwul und trotzdem gegen gleiche Rechte

Trotz seiner historischen Bedeutung für die Sichtbarkeit homosexueller Menschen in Mexiko vertrat Medrano Positionen, die bei vielen von ihnen auf deutliche Ablehnung stießen.

Er sprach zwar offen über seine eigene Homosexualität, lehnte jedoch die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ab. Auch gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare positionierte er sich öffentlich. Zudem kritisierte er auffällige und besonders expressive Formen von CSD-Veranstaltungen.

Seine politischen Aussagen wurden häufig im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in Fresnillo und Zacatecas gesehen. In diesen Regionen spielen katholische Traditionen und konservative Wertvorstellungen eine bedeutende Rolle. Auch eine ausgeprägte Machokultur prägt Teile der Gesellschaft.

Medranos politische Karriere zeigt somit einen bemerkenswerten Widerspruch. Einerseits wurde seine Wahl zum Bürgermeister als Meilenstein für die Sichtbarkeit offen schwuler Menschen in Mexiko wahrgenommen. Andererseits setzte er sich jedoch nicht für zentrale Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung ein.

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