Kiew: Erstes schwules Ehepaar in der Ukraine offiziell anerkannt

Ein kleiner Sieg mit großer Symbolkraft: In der Ukraine hat ein Gericht erstmals zwei schwule Männer als Ehepartner anerkannt. Dies ist ein Meilenstein für gleichgeschlechtliche Paare in einem Land, in dem es bisher weder eine Ehe noch eine eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle gibt. Geklagt hatten der israelische Diplomat Zoryan Kis und sein ukrainischer Partner Tymur Levchuk, die seit über zehn Jahren zusammenleben und 2021 in den USA geheiratet hatten.

Das ukrainische Außenministerium hatte sich bislang geweigert, die Ehe der beiden Männer anzuerkennen. Tymur durfte daher seinen Ehemann nicht bei diplomatischen Auslandsreisen begleiten. Das Paar zog vor Gericht – mit Erfolg. Das Gericht in Kiew entschied, dass ihre Ehe in vollem Umfang anerkannt werden müsse. In der Urteilsbegründung wurde ausdrücklich auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte verwiesen.

Erstmals volle Gleichstellung vor Gericht

Damit wurden zum ersten Mal in der ukrainischen Geschichte zwei Männer offiziell in allen Punkten heterosexuellen Ehepaaren gleichgestellt. Vor dem Urteil hatte das Gericht ihr gemeinsames Leben intensiv geprüft: gemeinsame Reisen, Verträge, Finanzen. Auch getrennte Befragungen beider Ehemänner gehörten dazu.

Für Kis ist das Urteil weit mehr als nur ein persönlicher Erfolg. Auf Facebook schrieb er: „Das ist ein sehr großer und wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung der Ehe in der Ukraine – und ein kleiner Sieg im Kampf um ein einfaches Familienglück.“ Unterstützt wurde das Paar von zwei queeren Organisationen, die sich seit Jahren für die gesetzliche Anerkennung einsetzen.

Gesellschaftlicher Wandel in der Ukraine durch den Krieg

Der Richterspruch fällt in eine Zeit, in der sich die Stimmung in der Ukraine stark verändert hat. Durch die aktive Teilnahme schwuler Männer am Krieg gegen Russland steigt die gesellschaftliche Akzeptanz spürbar. Immer mehr Menschen fordern gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare – insbesondere im Kontext des Krieges, wenn schwule oder lesbische Lebenspartner:innen verwundet oder getötet werden.

Die Zustimmung zur Einführung der Ehe für alle ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Während sich 2020 nur 29 Prozent der Ukrainer:innen dafür aussprachen, waren es 2024 bereits über 70 Prozent.

Das Urteil aus Kiew sendet ein starkes Signal für ganz Osteuropa. Es zeigt: Gleichberechtigung lässt sich nicht aufhalten. Auch nicht im Krieg.

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