Der beliebte Schwulenclub „Tek Yön” in Istanbul wurde auf Anordnung der Behörden geschlossen. Das Lokal im Stadtteil Beyo?lu war seit vielen Jahren einer der wichtigsten Treffpunkte für homosexuelle Männer in der türkischen Metropole. Die Schließung sorgt in der Szene für Wut, Enttäuschung und große Sorge.
Laut dem Istanbuler Gouverneursamt seien bei Kontrollen Verstöße gegen geltende Vorschriften festgestellt worden. Konkrete Angaben zu den Vorwürfen wurden jedoch nicht gemacht. Der Betreiber weist die Anschuldigungen zurück und spricht von falschen Darstellungen, die dem Club erheblich geschadet hätten.
Medienkampagne gegen Gay Club Tek Yön
Der Schließung war eine Kampagne regierungsnaher Medien vorausgegangen. Im Mittelpunkt stand ein Social-Media-Beitrag des Clubs zur „Mediterranean Gay Cruise 2026”, aus dem der Vorwurf abgeleitet wurde, Tek Yön plane eine größere Gay-Party auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Bosporus.
Der Betreiber widersprach dieser Darstellung deutlich. Tek Yön habe weder mit der Organisation noch mit der Anmietung des betreffenden Schiffes zu tun gehabt. Auch sei keine Veranstaltung an Bord geplant gewesen. Der Beitrag habe sich lediglich an Reisende gerichtet, die nach ihrer Ankunft in Istanbul eine reguläre Party im Club besuchen wollten.
Seit der Eröffnung im Jahr 2008 werde Tek Yön eigenen Angaben zufolge im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben betrieben. Vorwürfe, der Club richte sich gegen die öffentliche Moral oder traditionelle Familienwerte, weist das Unternehmen zurück. Rechtliche Schritte gegen einzelne Medienberichte werden geprüft.
Wichtiger Treffpunkt der schwulen Szene
Tek Yön war über viele Jahre ein fester Bestandteil des schwulen Nachtlebens in Istanbul. Für viele Gäste war der Gay Club nicht nur ein Ort zum Feiern, sondern auch ein sozialer Schutzraum in einer Stadt, in der offenes schwules Leben zunehmend unter Druck gerät.
Besonders im Stadtteil Beyo?lu spielte das Lokal eine wichtige Rolle. Der Stadtteil war lange für sein Nachtleben, seine Bars und seine queeren Treffpunkte bekannt. Mit der Schließung verliert die Szene einen weiteren sichtbaren Ort.
In den sozialen Netzwerken reagieren viele schwule Männer mit Frust und Wut. Kritisiert wird vor allem, dass die Behörden ihre Entscheidung nur vage begründet haben und die Schließung kurz nach der Berichterstattung regierungsnaher Medien erfolgte.
Politischer Druck in der Türkei nimmt zu
Die Schließung von Tek Yön steht nicht isoliert da. In der Türkei geraten queere Menschen seit Jahren zunehmend unter Druck. Pride-Veranstaltungen in Istanbul und Izmir wurden erneut verboten. Dennoch gingen Menschen auf die Straße. Dabei kam es zu zahlreichen Festnahmen, darunter auch eine Journalistin.
Zuvor waren mehrere Social-Media-Konten queerer Organisationen gesperrt worden. Auch die Zahl der Ermittlungen gegen Aktivist:innen, Kulturschaffende und Medienschaffende hat zugenommen. Menschenrechtsorganisationen warnen vor einer weiteren Verschärfung der Situation.
Für viele schwule Männer in Istanbul bedeutet die Schließung von Tek Yön daher mehr als das Ende eines Clubs. Sie steht symbolisch für den immer kleiner werdenden Raum, in dem schwules Leben in der Türkei noch sichtbar stattfinden kann.