Polizeirazzia in Sierra Leone: Festnahmen schwuler Männer

Bei einer Polizeirazzia in Freetown sollen zahlreiche homosexuelle Männer festgenommen worden sein. In der Nacht zum 31. August 2026 durchsuchten die Einsatzkräfte eine private Feier im Hill Valley Hotel oberhalb der Hauptstadt von Sierra Leone.

Laut der Zeitung Daybreak News kamen dabei Dutzende Männer in Polizeigewahrsam. Wie viele Personen tatsächlich festgenommen wurden und ob sie sich noch immer in Haft befinden, ist bislang unklar. Die Angaben konnten nicht unabhängig bestätigt werden.

Private Feier im Hill Valley Hotel durchsucht

An der Veranstaltung sollen etwa 50 bis 60 Menschen teilgenommen haben. Für viele Gäste war die Feier einer der wenigen Orte, an denen sie Zeit mit Partnern und Freunden verbringen konnten.

Laut Berichten betraten etwa zehn Polizisten während der Nacht die Räume des Hotels. Die Beamten sollen nach Kondomen und Gleitmitteln gesucht haben, die als Hinweise auf sexuelle Kontakte verwendet werden könnten.

Ein Teil der Gäste konnte das Gebäude über einen zweiten Ausgang verlassen. Andere Männer wurden laut Berichten lokaler Medien festgenommen. Der genaue Anlass für den Polizeieinsatz und die rechtliche Grundlage der Festnahmen sind weiterhin unklar.

Das Nachrichtenportal Erasing 76 Crimes berichtet ausführlich über die Razzia und beruft sich dabei auf Teilnehmer der Feier sowie lokale Medien.

Polizei suchte zwei bekannte Aktivisten

Bei der Veranstaltung befanden sich auch George Reginald Freeman Browne und sein Partner Edwin Bolaji Deen. Freeman Browne ist Geschäftsführer der Organisation Pride Equality. Beide konnten das Hotel verlassen, bevor sie festgenommen wurden.

Später soll die Polizei Haftbefehle gegen die beiden Männer erlassen haben. Die Vorwürfe beziehen sich auf Homosexualität und die sozialen Aktivitäten queerer Menschen. Laut den Behörden könnten diese Aktivitäten den öffentlichen Frieden beeinträchtigen.

Für Informationen über den Aufenthaltsort der beiden Männer wurde eine Belohnung angekündigt. Angehörige von Deen sollen von der Polizei zu seinem Verbleib befragt worden sein.

Inzwischen haben die beiden Aktivisten Sierra Leone aus Sicherheitsgründen verlassen. Sie berichteten von Drohungen und anhaltendem Druck durch die Behörden. Erasing 76 Crimes veröffentlichte am 11. September ein Update zu ihrer Flucht.

Kolonialgesetz bedroht Männer mit lebenslanger Haft

Sierra Leone liegt an der westafrikanischen Atlantikküste und grenzt an Guinea sowie Liberia. Das englischsprachige Land wurde 1961 unabhängig, behielt jedoch ein Strafgesetz aus der britischen Kolonialzeit bei.

Der „Offences Against the Person Act” von 1861 kriminalisiert bestimmte sexuelle Handlungen zwischen Männern. Bei einer Verurteilung sieht das Gesetz Haftstrafen von zehn Jahren bis lebenslang vor.

In den vergangenen Jahren wurde diese Vorschrift nur selten vor Gericht angewendet. Dennoch kam es wiederholt zu willkürlichen Festnahmen. Das Gesetz schafft zudem ein Umfeld, in dem Erpressung und gesellschaftliche Ausgrenzung begünstigt werden.

Der Human Dignity Trust dokumentiert Berichte über körperliche Angriffe und Drohungen. Demnach erleben queere Menschen auch Benachteiligungen beim Zugang zu medizinischer Versorgung und anderen grundlegenden Leistungen.

Sorge vor weiteren Polizeieinsätzen

Die Razzia hat die Angst unter schwulen Männern in Sierra Leone verstärkt. Besonders beunruhigend ist, dass die Feier in einem Hotel und nicht an einem öffentlich zugänglichen Veranstaltungsort stattfand.

Unklar ist außerdem, wie die Polizei von der privaten Zusammenkunft erfahren hat. Teilnehmer:innen vermuten, dass Informationen über die Feier gezielt weitergegeben wurden. Freeman Browne berichtete nach dem Einsatz auch von Erpressungsversuchen über unbekannte Telefonnummern.

Lokale Medien veröffentlichen teilweise Fahndungsaufrufe gegen Menschen, denen homosexuelle Kontakte vorgeworfen werden. Diese Berichte gefährden Betroffene zusätzlich, da Namen und Fotos öffentlich verbreitet werden.

Was bedeutet die Razzia für schwule Reisende?

Der Fall zeigt, dass auch private Räume in Sierra Leone keinen verlässlichen Schutz vor behördlichen Eingriffen bieten. Das gilt nicht nur für Einheimische, sondern kann ebenso für ausländische Besucher relevant sein.

Das britische Außenministerium weist darauf hin, dass einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen Männern in Sierra Leone illegal sind. Aufgrund der konservativen gesellschaftlichen Haltung wird Reisenden zu besonderer Vorsicht geraten. Die aktuellen Angaben finden sich in den Reisehinweisen für Sierra Leone.

Wer eine Reise nach Freetown oder in andere Teile des Landes in Afrika plant, sollte die rechtliche Lage deshalb ernst nehmen und aktuelle Sicherheitshinweise prüfen. Die Razzia im Hill Valley Hotel verdeutlicht, dass die seltene gerichtliche Anwendung des Kolonialgesetzes nicht mit tatsächlicher Sicherheit gleichzusetzen ist.

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