Island House Key West wird 50

Das Island House Key West feiert im Jahr 2026 sein 50-jähriges Bestehen. Das schwule Resort im US-Bundesstaat Florida kann somit auf eine Geschichte zurückblicken, die weit über die klassische Hotellerie hinausgeht. Was 1976 als kleines Unterkunftsprojekt begann, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Gay Hotels der Welt entwickelt. Heute steht das Haus in Key West für Sonne, Freiheit, Begegnungen und ein Stück queere Reisegeschichte.

Anlässlich des goldenen Jubiläums erinnert General Manager Jeff Smead daran, dass der Erfolg des Resorts kein Zufall ist. Es sei vielmehr das Ergebnis einer lokalen Entwicklung, die in den 1970er Jahren von schwulen Bewohnern und Besuchern von Key West geprägt wurde. In einer Zeit, in der Reisen von homosexuellen Männern kaum gezielt vermarktet wurden, entstand hier im äußersten Süden der USA ein Ort, an dem sie unter sich sein konnten und sich vom ersten Moment an zugehörig fühlten.

Diese klare Ausrichtung hat das Resort über Jahrzehnte hinweg stark gemacht. Während viele Häuser ihre Identität verwässerten, um ein breiteres Publikum anzusprechen, setzte das Island House konsequent auf die Wünsche und Bedürfnisse schwuler Gäste. Laut Smead reicht es nicht, Regenbogensymbole zu zeigen. Entscheidend sei, die Kultur, die Vorlieben und die Dynamik der eigenen Gäste wirklich zu verstehen und authentisch umzusetzen.

Auch räumlich hat sich das Resort Schritt für Schritt entwickelt. Ausgehend von den früheren Paul’s Apartments entstand im Laufe der Jahre ein zusammenhängender Komplex an der Fleming Street. Nach und nach wurden weitere Gebäude Teil des heutigen Island House. So entstand aus einer unscheinbaren Ecke von Key West ein schwuler Mikrokosmos mit Poolbereich, Café, Bar und Hotelbetrieb. Smead beschreibt diese Entwicklung als gemeinschaftliches Werk, bei dem schwule Eigentümer und Betreiber einen heruntergekommenen Bereich in etwas Besonderes verwandelt haben.

Das 50-jährige Jubiläum wird das gesamte Jahr über mit monatlichen „Gold Pool Parties” gefeiert. Das Resort setzt dabei auf aufwendige Dekorationen in Gold, Fotospots, extravagante Outfits für Mitarbeitende und Poolboys sowie kulinarische Extras. Dazu kommen bekannte Drag-Künstlerinnen aus Key West, die den Feiern zusätzlichen Glamour verleihen sollen. Schon die erste Ausgabe im Februar zeigte, wie stark das Thema umgesetzt wird. Die Looks für das Team und die Poolboys wurden eigens vom Designer Guy Hermelin angefertigt und sorgten für viel Aufmerksamkeit.

Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres soll das große Feierwochenende im Mai 2026 werden. Dann will das Island House zahlreiche Personen zurückholen, die das Resort in verschiedenen Jahrzehnten geprägt haben. Geplant ist ein Treffen ehemaliger Eigentümer, Geschäftsführer, Barkeeper und weiterer Wegbegleiter rund um den Pool. Dazu werden auch Journalisten erwartet, die seit Jahren über das Haus berichten, ebenso wie frühere Models aus älteren Werbekampagnen. Das Jubiläumswochenende soll somit nicht nur eine Party werden, sondern auch eine Hommage an fünf Jahrzehnte schwule Reisekultur in Key West.

Smead erklärt, dass das Island House immer wieder als eines der besten schwulen Resorts weltweit wahrgenommen wird, mit einer besonderen Kombination, die andernorts kaum zu finden sei: ein voll lizenzierter Barbetrieb, ein echtes Restaurant und die Möglichkeit zur Nacktheit auf dem Gelände. Gerade dieses Zusammenspiel mache das Haus einzigartig. Zugleich sei das Resort eng mit Key West verbunden und könne in dieser Form nur dort existieren, auch weil es seit langer Zeit von der lokalen Bevölkerung akzeptiert wird.

In einer Zeit, in der queere Orte in vielen Städten verschwinden, sieht Smead das Island House auch als Teil der Kultur. Es gehe längst nicht mehr nur um den Betrieb eines Hotels mit 39 Zimmern, einem rund um die Uhr geöffneten Restaurant und einer Bar oder um den angeschlossenen Health Club. Das Resort ist zu einer Institution geworden, die für Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Beständigkeit steht. Für viele Gäste ist das Island House weit mehr als eine Unterkunft, nämlich ein Ort, an dem sie Anschluss, Freiheit und Vertrautheit finden.

Laut Smead spielte auf dem Weg zum internationalen Ruf auch die schwule Medienlandschaft eine wichtige Rolle. Das Resort setzte schon sehr früh auf Sichtbarkeit, etwa durch Werbung im Damron Guide, lange vor dem Internetzeitalter. Später kamen Kooperationen mit bekannten Namen aus der Community sowie Berichterstattung aus Ländern wie Großbritannien, Deutschland, Kanada und Südamerika hinzu. Zusammen mit der Key West Business Guild, der ältesten LSBTI*-Handelskammer der USA, hat das Island House früh Beziehungen aufgebaut, von denen das Resort bis heute profitiert.

Auch nach 50 Jahren soll die Entwicklung weitergehen. Unter dem Motto „50 More“ sind weitere Investitionen geplant. Bereits im September sollen die hölzernen Verbindungswege und Balkone im oberen Bereich erneuert werden. Zudem sind Modernisierungen bei Duschen, Umkleiden, Dampfbad und Videolounge vorgesehen. Für Smead sind solche Maßnahmen besonders wichtig, da Stammgäste sehr genau wahrnehmen, ob in den Erhalt und die Zukunft ihres Lieblingsortes investiert wird.

Nach einem halben Jahrhundert steht das Island House Key West somit nicht mehr nur für Poolpartys, Drinks und heiße Tage unter der Sonne Floridas. Das Resort ist auch ein Symbol dafür, was entstehen kann, wenn eine Community über Jahrzehnte hinweg ihren eigenen Raum schafft, pflegt und weiterentwickelt. Das Jubiläum im Jahr 2026 markiert deshalb nicht nur einen runden Geburtstag, sondern auch ein seltenes Stück lebendiger schwuler Geschichte.

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