Die geplante Werbepartnerschaft zwischen Ghana und dem englischen Fußballverein Sunderland AFC wird voraussichtlich nicht zustande kommen. Im Rahmen der Kampagne „Visit Ghana“ hätte der Verein aus der Premier League jährlich rund 10 Millionen Pfund erhalten. Im Gegenzug hätte der Schriftzug auf den Trikots der Mannschaft erscheinen sollen.
Die Pläne hatten heftige Kritik ausgelöst. Menschenrechtsorganisationen warnten davor, Ghana als Reiseziel zu bewerben, während das westafrikanische Land über eine weitere Verschärfung seiner Gesetze gegen homosexuelle und queere Menschen diskutiert.
Sunderland rechnet nicht mehr mit dem Vertrag
Nach rund sechsmonatigen Verhandlungen hatte der Sunderland AFC zunächst einer Zusammenarbeit mit „Visit Ghana“ zugestimmt. Die erforderliche Zustimmung der ghanaischen Regierung blieb jedoch aus.
Der Verein erklärte, die Kommunikation und der Austausch mit den Verantwortlichen seien deutlich zurückgegangen. Aufgrund der fehlenden Genehmigung und der unklaren Haltung der Regierung geht Sunderland inzwischen davon aus, dass die Partnerschaft nicht zustande kommt.
In seiner Stellungnahme erwähnte der Club die Menschenrechtslage in Ghana nicht. Laut ghanaischer Verantwortlicher sollte die Finanzierung ohnehin aus privaten Mitteln und nicht aus dem Staatshaushalt erfolgen.
Kritik an Werbung für Ghana
Die Organisation Rightify Ghana hat die geplante Partnerschaft scharf kritisiert. Aus ihrer Sicht wäre eine internationale Tourismuskampagne besonders problematisch, solange in Ghana ein Gesetz beraten wird, das weitreichende Strafen für homosexuelle und queere Menschen sowie deren Unterstützer vorsieht.
Auch das Sunderland-Fanmagazin „Roker Report“ stellte die Zusammenarbeit infrage. Es müsse diskutiert werden, ob wirtschaftlicher Erfolg jedes Geschäft rechtfertige. Die geplante Werbung werfe Fragen zu Menschenrechten und zu den Werten des Vereins auf.
Ghanas Parlamentspräsident Alban Bagbin hatte die Gespräche hingegen unterstützt. Kritiker werfen ihm jedoch vor, zu den entschiedenen Befürwortern des Gesetzes zu gehören.
Gesetzentwurf bedroht auch Reisende
Dem aktuellen Entwurf zufolge könnten Menschen bereits dafür mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden, dass sie sich öffentlich als schwul, lesbisch, bisexuell oder trans bezeichnen. Eine Gefängnisstrafe könnte demnach nur durch eine Beratung zur Änderung der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität vermieden werden.
Auch die Teilnahme an einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit sowie geschlechtsangleichende Eingriffe könnten mit einer Haftstrafe geahndet werden. Für die Finanzierung oder öffentliche Förderung entsprechender Aktivitäten sieht der Entwurf Strafen von drei bis fünf Jahren vor.
Zusätzlich soll eine Meldepflicht eingeführt werden. Wer mutmaßlich verbotene Handlungen nicht den Behörden meldet, könnte ebenfalls mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. In der überarbeiteten Fassung sollen Medienvertreter, medizinisches Personal und Rechtsanwälte bei ihrer beruflichen Tätigkeit von einer Strafverfolgung ausgenommen sein.
Unabhängig von dem geplanten Gesetz steht gleichgeschlechtlicher Sex zwischen Männern in Ghana bereits heute unter Strafe.
Widerspruch zur Tourismuswerbung
Durch die Trikotwerbung beim Sunderland AFC hätte Ghana ein Millionenpublikum in England erreicht. Dazu gehören selbstverständlich auch zahlreiche homosexuelle Fußballfans. Eine Kampagne, die diese Menschen zu einem Urlaub in Ghana bewegen soll, steht jedoch in deutlichem Widerspruch zur dortigen Rechtslage sowie zur drohenden Verschärfung der Verfolgung.
Dass der Vertrag offenbar gescheitert ist, verhindert zumindest, dass ein Verein der englischen Premier League Werbung für ein Reiseziel macht, in dem schwule Touristen und ihre Unterstützer künftig mit Gefängnisstrafen rechnen müssten.