Terroranschlag auf Schwulenbar in Oslo: Hintermann zu Höchststrafe verurteilt

Kurz vor dem geplanten Start der Pride-Parade im Juni 2022 erschütterte ein islamistischer Terroranschlag die norwegische Hauptstadt Oslo. In der Nacht zum 25. Juni eröffnete ein bewaffneter Mann vor einer bei homosexuellen Gästen beliebten Bar das Feuer. Dabei wurden zwei Menschen getötet und mehrere weitere teils schwer verletzt.

Nun hat das Amtsgericht Oslo den mutmaßlichen Hintermann des Anschlags zu 30 Jahren Verwahrung verurteilt. Es handelt sich um die in Norwegen geltende Höchststrafe. Der 48-jährige Norweger mit pakistanischen Wurzeln wurde wegen Beihilfe zu schweren Terrorvergehen schuldig gesprochen. Zusätzlich sah es das Gericht als erwiesen an, dass er gemeinsam mit der Terrororganisation Islamischer Staat weitere Anschläge in Norwegen geplant hatte.

Manipulation und ideologische Einflussnahme

Laut der Staatsanwaltschaft spielte der Verurteilte eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der Tat. Er habe den späteren Schützen, einen als leicht beeinflussbar beschriebenen Mann, gezielt manipuliert und mit ideologischen Ratschlägen versorgt. Staatsanwältin Aud Kinsarvik Gravås bezeichnete ihn in ihrem Plädoyer als jemanden, der „norwegische Werte hasst”.

Der eigentliche Attentäter war bereits 2024 zu 30 Jahren Verwahrung verurteilt worden. Unmittelbar vor der Tat hatte er ein Treuebekenntnis zum sogenannten Islamischen Staat abgelegt. Der norwegische Geheimdienst stufte den Angriff als islamistischen Terroranschlag ein. Die Pride-Parade wurde daraufhin aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Verwahrung statt zeitlich begrenzter Haft

Der nun verurteilte Mann hat die Vorwürfe von Beginn an bestritten. Laut dem öffentlich-rechtlichen Sender NRK will er gegen das Urteil Berufung einlegen. In Norwegen unterscheidet sich die Verwahrung von einer regulären Haftstrafe dadurch, dass sie nach Ablauf der Frist alle fünf Jahre verlängert werden kann, sofern von der verurteilten Person weiterhin eine Gefahr ausgeht.

London Pub als Ziel des Anschlags

Hauptziel der Attacke war der London Pub im Zentrum Oslos. Der Nachtclub gilt seit Jahrzehnten als fester Treffpunkt der queeren Szene und bezeichnet sich selbst als „schwules Hauptquartier seit 1979“. In der Tatnacht hielten sich dort viele Gäste auf, die das Wochenende feiern wollten. Nach den pandemiebedingten Einschränkungen sollte an diesem Tag erstmals wieder eine große Pride-Parade stattfinden.

Am Tatort erinnern bis heute Blumen, Kerzen und Regenbogenflaggen an die Opfer. Der Anschlag und das nun bestätigte Urteil haben in Norwegen eine erneute Debatte über Extremismus, Hasskriminalität und den Schutz sexueller Minderheiten ausgelöst.

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