Minneapolis will schwule Badehäuser wieder legalisieren

Minneapolis könnte bald ein Stück schwule Stadtgeschichte zurückholen. Die Stadt in den USA prüft derzeit, ob schwule Badehäuser und Sex-Clubs nach fast 40 Jahren wieder legal betrieben werden dürfen. Der Stadtrat beschäftigt sich mit einem Paket aus vier Vorschlägen. Dieses sieht unter anderem neue Regeln für Lizenzen, Hygiene, Zonierung und rechtliche Ausnahmen für entsprechende Orte vor.

Es geht um die Rückkehr legaler Orte, an denen Begegnung, Sexualität und soziale Nähe nicht in eine Grauzone gedrängt werden. Die letzte legale Gaysauna in Minneapolis schloss im Jahr 1988 während der Aids-Krise. Damals wurden Badehäuser in vielen US-Städten mit dem Argument des Infektionsschutzes geschlossen.

Gaysaunen in Minneapolis: Neue Regeln statt alter Verbote

Die geplanten Änderungen sollen einen rechtlichen Rahmen für sogenannte „Adult Sex Venues” schaffen. Damit sind Einrichtungen gemeint, in denen Erwachsene einvernehmlich sexuelle Kontakte haben dürfen. Laut aktuellen Berichten umfasst das Paket unter anderem Lizenzvorgaben für Betreiber, angepasste Bau- und Zonierungsregeln sowie modernisierte Gesundheits- und Hygienestandards.

Damit würde Minneapolis nicht einfach frühere Zustände wiederherstellen. Vielmehr sollen diese Orte ähnlich wie in Städten, in denen solche Einrichtungen bereits mit klaren Auflagen arbeiten, reguliert werden. Als Vorbild wird unter anderem San Francisco genannt, wo Regeln zu Kondomen, Schulungen des Personals und öffentliche Gesundheit eine Rolle spielen.

Warum kommt das Thema wieder auf?

Befürworter:innen argumentieren, dass das alte Verbot aus heutiger Sicht nicht mehr zu modernen Erkenntnissen über HIV-Prävention passt. PrEP, HIV-Tests und antiretrovirale Therapien haben den Umgang mit HIV grundlegend verändert. Gruppen wie die „Safer Sex Spaces Coalition” sehen regulierte Orte zudem als Chance, Gesundheitsangebote besser zugänglich zu machen und Risiken offener zu adressieren.

Auch politisch hat die Debatte Gewicht. Der Stadtrat diskutiert nicht nur über das Nachtleben, sondern auch über die Frage, welche Räume queere Menschen in einer Stadt legal nutzen können. Council-Mitglied Jason Chavez wies darauf hin, dass queere Treffpunkte lange kriminalisiert und polizeilich kontrolliert wurden.

Bedeutung für schwule Reisende

Minneapolis gilt schon länger als progressive Stadt im Mittleren Westen der USA. Sollte die Legalisierung kommen, könnte dies das queere Profil der Stadt weiter schärfen. Das wäre für Gay-Reisende interessant, weil sich neben Bars, Pride-Events und Kulturangeboten wieder eine Form queerer Begegnungsorte etablieren könnte, die in vielen Städten selten geworden ist.

Dabei geht es nicht nur um Sex. Gaysaunen sind auch soziale Orte für Männer, die anderswo keine offenen Räume finden. In Zeiten kostenpflichtiger Dating-Apps und flüchtiger Online-Kontakte wirkt die Idee realer Treffpunkte für viele überraschend aktuell.

Schreibe einen Kommentar