Eine amerikanische Reisegesellschaft plant für das Jahr 2027 eine Kreuzfahrt für Schwule mit mehreren Aufenthalten in Saudi-Arabien. Die ungewöhnliche Route führt die Passagiere in ein Land, in dem gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen weiterhin strafbar sind.
Der Veranstalter VACAYA betrachtet die Reise als Zeichen eines vorsichtigen gesellschaftlichen Wandels. Saudiarabien wiederum versucht, sein internationales Image vor der Fußballweltmeisterschaft 2034 zu verbessern.
Saudi-Arabien: Schwule Kreuzfahrt „Arabian Nights“ startet in Dschidda
Die zehntägige Gay-Kreuzfahrt „Arabian Nights“ findet vom 28. März bis zum 7. April 2027 statt. Sie beginnt mit einer Übernachtung an Bord im Hafen von Dschidda. Anschließend bleibt den Passagieren noch ein halber Tag, um die am Roten Meer gelegene Hafenstadt zu erkunden.
Der nächste Halt ist Yanbu. Dort sind Ausflüge zu den Stränden sowie Tauchgänge im Roten Meer geplant. Danach fährt die Emerald Kaia weiter nach Ägypten. Laut dem aktuellen Reiseplan sind weitere Stationen in Israel und Jordanien vorgesehen. Die Kreuzfahrt endet in Ain Sokhna nahe Kairo.
VACAYA bezeichnet die Reise als historisches Ereignis. Das Unternehmen möchte seinen Gästen Regionen zeigen, die für offen schwule Reisende bislang kaum als mögliche Urlaubsziele galten. Die vollständige Route ist auf der Website von VACAYA zu finden.
Luxuskreuzfahrt mit hohen Preisen
Die Kreuzfahrt findet an Bord der „Emerald Kaia” statt. Die moderne Luxusyacht bietet Platz für vergleichsweise wenige Passagiere. Zur Ausstattung gehören mehrere Restaurants und ein Poolbereich.
Die Kabinenpreise sollen zwischen 9.900 und 57.000 US-Dollar liegen. Damit richtet sich die Reise vor allem an zahlungskräftige Gäste. Im Reisepreis sind Mahlzeiten sowie zahlreiche Ausflüge enthalten. In saudischen Häfen darf während der Aufenthalte jedoch kein Alkohol ausgeschenkt werden.
Saudiarabien erklärt: „Alle sind willkommen.“
Auf der offiziellen Internetseite „Visit Saudi“ wird die Frage, ob homosexuelle Menschen das Land besuchen dürfen, eindeutig beantwortet. Die knappe Antwort lautet: „Alle sind willkommen.“
Zugleich fordert die saudische Tourismusbehörde Besucher dazu auf, die Kultur des Landes zu respektieren und sämtliche Gesetze einzuhalten. Reisende müssen keine persönlichen Angaben zu ihrer sexuellen Orientierung machen. Ihr Recht auf Privatsphäre wird respektiert.
VACAYA interpretiert diese Aussagen als vorsichtige Öffnung. Jahrzehntelang war es für schwule Reisende undenkbar, Saudi-Arabien zu besuchen. Nun sind erstmals Gäste unterschiedlicher sexueller Orientierungen erwünscht, solange sie sich an die örtlichen Regeln halten.
Gleichgeschlechtliche Sexualität bleibt verboten.
Die freundlich klingende Tourismuswerbung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rechtslage eine andere ist. In Saudi-Arabien sind gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen weiterhin strafbar.
Der saudische Aktivist Tariq Aziz sieht in der Kreuzfahrt einen deutlichen Widerspruch. Aziz wurde eigenen Angaben zufolge zwischen 2021 und 2022 wegen angeblicher Förderung von Homosexualität festgehalten. Inzwischen besitzt er einen Flüchtlingsstatus in den USA.
Seiner Einschätzung nach erleben ausländische Besucher ein toleranteres Saudi-Arabien als die einheimische Bevölkerung. Während Touristen mit Rücksicht auf das internationale Ansehen des Landes weitgehend unbehelligt bleiben, sind homosexuelle Saudis weiterhin Verfolgung und gesellschaftlicher Ausgrenzung ausgesetzt.
Die Kreuzfahrt zeigt somit vor allem die Gegensätze des saudischen Imagewandels auf. Wohlhabende schwule Touristen sollen das Königreich besuchen und dort Geld ausgeben. Schwule Männer aus Saudi-Arabien selbst können ihre Sexualität dagegen weiterhin nicht offen leben.