Für viele Schwule, Lesben und Transsexuelle spielt Disney seit Jahrzehnten eine besondere Rolle im Leben. Lange bevor es die bekannten Gay Days in den Disney Parks gab, bestand eine enge Verbindung zwischen Disney und queeren Gästen. Für viele ist und war der Besuch weit mehr als ein Ausflug in einen Freizeitpark. Disney steht für Fantasie, Eskapismus und die Möglichkeit, für einige Stunden einfach man selbst zu sein. Hinzu kommen Figuren wie Ursula oder Gaston, die sich in der Popkultur auch bei schwulen Fans einen festen Platz erobert haben.
Gerade rund um den Pride Month wächst deshalb jedes Jahr die Vorfreude auf jene Tage, an denen sich in und um die Disney Parks besonders viele queere Besucher treffen. Ob in Orlando (Florida), Anaheim (Kalifornien) oder Paris (Frankreich): Die Gay Days gehören längst zu den bekanntesten inoffiziellen Pride-Traditionen im Freizeitparkbereich.
Wie queerfreundlich sind Disney World und Disneyland?
Disney World und Disneyland gelten als vergleichsweise entspannte Orte für queere Gäste. Die Grundidee der Parks zielt schließlich darauf ab, den Alltag draußen zu lassen und in eine eigene Welt einzutauchen. Für Menschen, die im Alltag immer wieder mit Ablehnung oder unangenehmen Situationen konfrontiert sind, kann das eine besondere Wirkung haben.
Hinzu kommt, dass Sicherheit in den Disney Parks einen sehr hohen Stellenwert hat. Sichtbare Kontrollen am Eingang gehören ebenso dazu wie zahlreiche weniger offensichtliche Maßnahmen im Hintergrund. Negative Erlebnisse mit anderen Gästen können zwar nie völlig ausgeschlossen werden, werden in der Regel aber schnell durch Mitarbeitende oder Sicherheitskräfte entschärft.
Auch auf Unternehmensebene hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Disney ergänzte sein internes Leitbild um den Punkt „Inclusion“ und betonte damit stärker, dass sich Gäste und Mitarbeitende mit ihren unterschiedlichen Lebensrealitäten gesehen fühlen sollen. Dies wurde unter anderem durch modernisierte Attraktionen, angepasste Kostüme für Cast Members und einen allgemein breiteren Blick auf Vielfalt innerhalb der Marke sichtbar.
Queere Menschen prägen Disney seit Generationen
Die besondere Beziehung zwischen der Disney-Welt und queeren Gästen hat noch einen anderen Grund: Queere Menschen haben die Disney Parks über Jahrzehnte hinweg aktiv mitgestaltet. Von Cast Members im täglichen Betrieb bis hin zu Kreativen im Hintergrund waren und sind viele daran beteiligt, dass die Disney-Magie überhaupt entsteht.
Ein oft genanntes Beispiel ist der Imagineer Bob Gurr. Der Designer arbeitete viele Jahre lang an zentralen Disney-Attraktionen und entwickelte unter anderem den Monorail-Zug für Walt Disney World, die Matterhorn-Bobsleds in Disneyland und die Doom Buggies der Haunted Mansion. Damit hat ein homosexueller Mann einen wichtigen Teil jener Erlebnisse geschaffen, die heute für viele Fans untrennbar mit Disney verbunden sind.
Feiert Disney offiziell den Pride Month?
Offizielle Pride-Events waren bei Disney lange eher die Ausnahme. Während Disneyland Paris im Jahr 2019 mit der „Magical Pride Party” ein von Disney organisiertes Event veranstaltete, zeigte sich Walt Disney World in Orlando in dieser Hinsicht deutlich zurückhaltender. Dennoch ist Pride in den Parks sichtbar, auch ohne großes offizielles Festivalprogramm.
Ein wichtiger Teil davon ist die Disney Pride Collection. Rechtzeitig zum Pride Month erscheinen regelmäßig Produkte mit Regenbogenmotiven, darunter Kleidung, Accessoires, Plüschfiguren, „Mickey Ears”, Taschen oder Sammlerpins. Inzwischen beschränkt sich das nicht mehr nur auf klassische Disney-Figuren, sondern bezieht auch Marken wie Marvel und Star Wars mit ein.
Auch kulinarisch greift Disney das Thema auf. In der Pride-Zeit werden in den Parks häufig spezielle Snacks, Desserts und Drinks angeboten – oft in bunten Farben und teilweise mit roten Akzenten, die an die traditionellen roten T-Shirts der Gay Days erinnern.
Gay Days in Orlando: aus einem Treffen wurde ein riesiges Event
Obwohl Disney World selbst keine offiziellen Gay Days veranstaltet, ist Orlando seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Treffpunkte für queere Disney-Fans. Alles begann im Jahr 1991 mit einem vergleichsweise kleinen Treffen von rund 3.000 Menschen im Magic Kingdom. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahre ein mehrtägiges Großereignis mit Besuchern aus aller Welt.
Heute konzentrieren sich die Feierlichkeiten nicht mehr auf einen einzigen Parktag. Vielmehr verteilt sich das Programm auf Hotels, Poolpartys, Clubnächte, Messen und zahlreiche weitere Veranstaltungen in ganz Orlando. Der Höhepunkt bleibt jedoch der erste Samstag im Juni im Magic Kingdom. Dann tragen Tausende ihre roten Shirts und setzen damit ein sichtbares Zeichen der Zusammengehörigkeit.
Was früher vor allem aus praktischen Gründen eingeführt wurde, damit man sich in der Menge leichter wiederfindet, ist inzwischen ein festes Symbol geworden. Die roten Shirts gehören heute genauso zu den Gay Days wie die Gruppenfotos vor dem Schloss.
One Magical Weekend und Girls in Wonderland
In Orlando haben sich rund um die Gay Days weitere große Eventformate etabliert. Besonders bekannt ist „One Magical Weekend”, eines der größten queeren Pride- und Musikfestivals im Umfeld von Walt Disney World. Mehrere Tage lang gibt es Poolpartys, Abendveranstaltungen mit internationalen DJs sowie zusätzliche Programmpunkte wie Business- oder Lifestyle-Messen.
Ein weiteres wichtiges Format ist „Girls in Wonderland”, das sich seit vielen Jahren speziell an queere Frauen richtet. Die Veranstaltung kombiniert Tanzveranstaltungen, Poolpartys, Comedy, Live-Musik und Shows und ist aus dem Pride-Kalender in Orlando kaum noch wegzudenken.
Gay Days in Anaheim bringen Pride-Event auch nach Kalifornien
Der Erfolg von Orlando blieb nicht auf Florida beschränkt. Mit den „Gay Days Anaheim” erhielt auch das Disneyland an der US-Westküste sein eigenes queeres Event. Anders als in Orlando findet es traditionell im Oktober statt und ist somit Teil des LGBT+ History Month und nicht des Pride Month im Juni.
Auch in Anaheim hat sich aus einem einzelnen Treffen längst ein ganzes Wochenende entwickelt. Neben Parkbesuchen stehen unter anderem Partys, Comedy, Pool-Events, Filmabende, Signierstunden und Treffen für verschiedene Gruppen innerhalb der queeren Szene auf dem Programm. Dazu kommen gemeinsame Mittagessen, Fahrten mit bestimmten Attraktionen und große Fototermine, die für viele Besucher zum festen Ritual geworden sind.
Disney und Gay Days bleiben für viele eine besondere Kombination
Wer Disney liebt und Pride in einer etwas anderen Form erleben möchte, für den sind die zwei bekanntesten queeren Eventreihen im Freizeitparkbereich in Orlando und Anaheim genau das Richtige. Die Mischung aus Nostalgie, Popkultur, Gemeinschaft und einem klar sichtbaren queeren Zeichen macht den Reiz der Gay Days aus.
Für viele Gäste geht es dabei nicht nur um Partys oder Merchandise. Es geht auch um das Gefühl, an einem Ort zu sein, der seit Jahrzehnten von queeren Fans mitgeprägt wird, und Teil einer sehr besonderen Tradition zu werden. Wenn sich zwischen Schloss, Monorail und Main Street plötzlich überall rote Shirts zeigen, wird schnell klar, warum die Gay Days für viele Disney-Fans einen festen Platz im Kalender haben.