Das traditionsreiche Stonewall Hotel an der Oxford Street in Sydney (Australien) steht vor einer ungewissen Zukunft. Nachdem der bekannte Treffpunkt der LGBTQ-Community zuletzt bereits wegen eines eingestürzten Dachs und anschließender Bauarbeiten in die Schlagzeilen geraten war, folgt nun der nächste Rückschlag: Die Betreibergesellschaft Stonewall Hotel Pty Ltd. wurde offiziell unter Insolvenzverwaltung gestellt.
Laut Unterlagen, die bei der australischen Unternehmensaufsicht ASIC eingereicht wurden, wurde am Freitag, dem 13. März um 13:43 Uhr, der Insolvenzverwalter Mohammad Najjar von Vanguard Insolvency Australia bestellt. Erste Hinweise auf diese Entwicklung tauchten in den sozialen Medien auf. Ein Nutzer veröffentlichte dort ein Foto eines Aushangs vor dem Venue.
In der Mitteilung heißt es, dass sich das Unternehmen nun unter der Kontrolle des eingesetzten Verwalters befinde. Zudem wird darin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Eingriffe in das Vermögen der Firma oder die unbefugte Entfernung von Eigentum verboten sind und strafrechtliche Folgen haben können.
Unklar ist derzeit, welche Folgen die Insolvenzverwaltung konkret für den laufenden Betrieb und die Zukunft des Clubs haben wird. Auch bleibt offen, ob die Muttergesellschaft Pride Holdings Group, die das Stonewall Hotel erst vor Kurzem übernommen hatte, selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Eine Stellungnahme des Unternehmens lag zunächst nicht vor.
Fest steht jedoch, dass Pride Holdings bereits seit Längerem unter erheblichem finanziellem Druck steht. In den zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen meldete die US-Gesellschaft deutliche Verluste. So wurde für das Quartal bis Ende September ein Minus von 530 906 US-Dollar ausgewiesen und für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres summierte sich der Verlust auf 1 097 889 US-Dollar. Gleichzeitig schrumpften die liquiden Mittel des Unternehmens deutlich. Hinzu kam ein sogenannter Going-Concern-Hinweis, der Zweifel daran signalisiert, ob der Betrieb in den kommenden zwölf Monaten in seiner bisherigen Form gesichert ist.
Trotz dieser angespannten Lage hatte Pride Holdings seine Expansion zuletzt weiter vorangetrieben. Das Unternehmen baute sein Portfolio an queeren Hospitality- und Entertainment-Locations aus und finanzierte diese Schritte offenbar vor allem über die Ausgabe neuer Aktien statt über vorhandenes Bargeld.
Für viele in Sydney ist das Stonewall Hotel weit mehr als nur eine Bar. Die Location wurde am 25. Juli 1997 gegründet und zählt damit zu den am längsten bestehenden Gay-Venues an der Oxford Street. Über fast drei Jahrzehnte hinweg war das Haus eine feste Größe im Nachtleben der Stadt. Auch deshalb sorgt die aktuelle Entwicklung für besondere Aufmerksamkeit.
Dabei ist ein historischer Hinweis wichtig: Trotz des Namens besteht keine Verbindung zwischen dem Stonewall Hotel in Sydney und dem berühmten Stonewall Inn in New York, dem Ort der Aufstände von 1969, die als Wendepunkt der modernen Emanzipationsbewegung gelten.
Vor Bekanntwerden der Insolvenzverwaltung war das Stonewall Hotel bereits wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Auf Facebook hatte das Venue erklärt, der Betrieb ruhte vorübergehend wegen Reparaturen und Wartungsarbeiten.
Brisant ist die Nachricht auch deshalb, weil Pride Holdings zuletzt den weiteren Ausbau der Marke angekündigt hatte. So hatte sich das Unternehmen einen zehnjährigen Mietvertrag für die frühere Cocktailbar Kuleto’s in Newtown gesichert. Dort wurde inzwischen ein weiteres Lokal unter dem Namen „Stonewall Newtown” eröffnet.
Ob das traditionsreiche Stonewall an der Oxford Street nach den Bauproblemen und der nun gestarteten Insolvenzverwaltung eine Zukunft hat, ist aktuell unklar. Für Sydneys queeres Nachtleben wäre ein dauerhaftes Aus ein weiterer schmerzlicher Verlust.