Prince Charming Staffel 2: Ansammlung schwuler Clichés & Vorurteile

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne Trash-TV schaue: In Kombination mit Twitter als Second Screen wird der Fernsehabend mit dem „Sommerhaus der Stars“, „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ (besser bekannt als IBES oder Dschungelcamp) oder „Germany’s next Top Model“ (GNTM) zu einem vergnüglichen Erlebnis. Doch ausgerechnet die Gay-Dating-Show „Prince Charming“ (die schwule Variante zu „Der Bachelor / Die Bachelorette“) finde ich unerträglich. Falls es tatsächlich Leute gibt, die die Sendung noch nicht kennen, hier eine kurze Einführung.

Prince Charming: Schwule Dating-Show

Prince Charming ist Deutschlands erste Dating-Show für schwule Männer, die im Genre Reality-TV angesiedelt ist. Das Format ist bereist sehr erfolgreich in den USA und hat es mit der ersten Staffel geschafft, sich auch im deutschen Fernsehen zu etablieren. Der Erfolg und die gesellschaftliche Akzeptanz waren so groß, dass die Show sogar mit dem Grimme-Preis 2020 ausgezeichnet wurde.

In der ersten Runde war Nicolas Puschmann der begehrte, schwule Single-Mann. Dieses Jahr ist Alexander Schäfer der Prince Charming. Als Drehort dient wieder die sonnige Insel Kreta im südöstlichen Mittelmeer.

Übrigens: Alle Infos über Gay-Reisen nach Kreta

Wo kann man Prince Charming sehen?

Die erste Staffel „Prince Charming“ lief auf TVNOW, dem kostenpflichtigen Streaming-Dienst von RTL. Im Anschluss war das homosexuelle Dating-Format auch im Free-TV auf Vox zu sehen. Bei der zweiten Staffel wird das Vorgehen genauso durchgeführt:

  • Ab dem 12. Oktober 2020 läuft die 2. Staffel bei TV Now an. Jeden Montag gibt es eine von insgesamt neun neuen Folgen.
  • Ab dem 26. Oktober läuft die zweite Staffel von Prince Charming dann auch auf dem TV-Sender VOX im Spätprogramm.

Deshalb sollten gespannte TV-Zuschauer aufpassen, dass sie den Ausgang der Show nicht zu früh mitbekommen, zum Beispiel in den sozialen Medien.

Gay Männer suchen das Abenteuer

Insgesamt zwanzig schwule Single-Männer kämpfen in einer Luxusvilla auf der griechischen Insel um das Herz von Prince Charming. Sowohl in Einzel- als auch in Gruppendates lernt der Prinz die Kandidaten näher kennen, um herauszufinden, wer ihm gefällt und zu ihm passt. Ungeeignete Anwärter schickt er nach Hause. Allerdings werden im Vergleich zur Hetero-Show „Der Bachelor“ statt Rosen am Ende jeder Folge Krawatten verteilt. Wer am Ende keinen Schlips hat, muss die Villa verlassen. Nur einer ist der richtige Gentleman und steht zum Schluss als Gewinner da. Doch der Hauptgrund, warum so viele Zuschauer diese Sendung einschalten, ist ein andere: Wie im Trash-TV üblich, gibt es auch bei Prince Charming unter den Teilnehmern ebenfalls jede Menge Intrigen, Eifersucht und Streitereien.

Um dir einen Eindruck der Sendung zu verschaffen, kannst du die ersten 30 Minuten übrigens kostenlos auf Youtube sehen:

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Schwule Kuppelshow mit dem gewissen Extra

Im Gegensatz zu den heterosexuellen Dating-Formaten wie „Bachelor / Bachelorette“, „Love Island“ oder „Bachelor in Paradise“ bietet Prince Charming noch einen ganz besonderen Twist: Naturgemäß ist der schwule Prinz für den Rest der Kandidaten nicht der einzige Lover, der potenziell in Frage kommt. Wenn sich so viele homosexuelle Männer eine Villa inklusive Küche, Wohnzimmer, Pool und Schlafzimmer teilen, kann es auch schonmal zu Sex und Liebeleien auch unter ihnen kommen. Deswegen ist bei der Show mit zahlreiche Dramen und tiefgehenden Emotionen zu rechnen. Zwar begreifen sich die Teilnehmer auch als Konkurrenten im Wettbewerb um das Herz von Prince Charming, aber gleichzeitig entwicklen sich alternative Liebschaften. Neben den romantischen Dates liefert das Format auch spannende Antworten auf brisante Fragen, welche in der Regel nicht im Fernsehen thematisiert werden. Auf diese Weise sollen die Teilnehmer die große Vielfalt der Gay-Szene widerspiegeln – doch genau dort liegt der Haken: Anstatt die Gelegenheit zu nutzen, um hartnäckige Clichés zu entkräften, werden diese (wieder einmal) im Fernsehen verstärkt.

Prince Charming Staffel 2: Schwule Clichés (Screenshot: TVNOW)
Prince Charming Staffel 2: Schwule Clichés (Screenshot: TVNOW)

Zu den Teilnehmern gehören zwar schwule Männer diverser Altersgruppen (von 23-39 Jahre) und ethnischer Hintergründe (sogar ein schwuler Moslem ist dabei), doch die Berufe der Kandidaten erfüllen wieder sämtliche Vorurteile, die heterosexuelle Menschen über schwule Männer haben:

  • Adrian: 25 Jahre, Student aus Berlin
  • Andrea: 24 Jahre, Friseur aus Bayreuth
  • Arne: 25 Jahre, Servicekraft aus Heidelberg
  • Bastian: 30 Jahre, in Berlin selbstständig mit Onlineshop
  • Benedetto: 27 Jahre, arbeitet als Model und Influencer in Köln
  • Bernhard: 30 Jahre, Sales Assistant aus Düsseldorf
  • David: 24 Jahre, selbstständiger Make-up-Artist sowie Content Creator aus Köln
  • Erik: 31 Jahre, Erzieher aus Hamburg
  • Florian: 39 Jahre, Krankenpfleger aus Berlin
  • Gino: 32 Jahre, Marketing- und Eventkaufmann aus Berlin
  • Jakob Matthias: 29 Jahre, Ballet-Lehrer aus Dortmund und Hannover
  • Jan Maik: 30 Jahre, HR Business Partner aus Zürich
  • Joachim: 29 Jahre, Bankangestellter aus Schwechat bei Wien, derzeit in Auszeit
  • Lauritz: 27 Jahre, Flugbegleiter aus Frankfurt
  • Leon: 32 Jahre, Beamter aus Zürich
  • Michael: 39 Jahre, Stylist und Personaltrainer aus Zürich
  • Patrick: 32 Jahre, Luftverkehrskaufmann aus Frankfurt am Main
  • Roman: 32 Jahre, Promoter aus Hamburg, Köln und Wien
  • Sascha: 30 Jahre, Fitness- und Personaltrainer aus Köln
  • Vincent: 23 Jahre, Student aus London

Ein Großteil der Kandidaten arbeitet im Service (Kellner, Flugbegleiter), im Beauty-Bereich (Friseur, Make-up-Artist, Stylist, Fitnesstrainer, Model und der unvermeidliche „Influencer“), in Sozialen Berufen (Krankenpfleger, Erzieher) oder im Marketing. Wo bitte sind die schwulen Fernfahrer, Maurer, KFZ-Mechatroniker, Tischler, Dachdecker und Ingenieure?!?

Und auch optisch entsprechen die Teilnehmer allen seit Jahrzehnten gepflegten Schwulenclichés: Alle sind schlank, viele im Fitnessstudio gestählt. Natürlich sind alle modisch gekleidet und ein geschminkter Mann mit grellem Make-Up im Gesicht fehlt auch nicht. Schwule sind ja angeblich immer schräge Vögel!! Es wird rumgetuckt, gekreischt und gezickt wie in einem Hühnerstall. Jeder heterosexuelle Familienvater, der auch nur für eine Minute beim Zappen durch die TV-Kanäle bei Prince Charming hängenbleibt, bekommt sämtliche Clichés über homosexuelle Männer auf dem Silbertablett serviert und wird inständig hoffen, dass sein eigener Sohn nicht schwul wird!

Es ist schade, dass diese Show zwar für jede Menge Sichtbarkeit sorgt, aber alle Clichés und Vorurteile gegenüber Gays noch verstärkt, anstatt diese zu brechen. Das sorgt nicht für mehr Toleranz und Akzeptanz bei heterosexuellen Zuschauern und Zuschauerinnen, sondern eher für das Gegenteil.

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